Veranstalter: Arbeitskreis für spätmittelalterliche Wirtschaftsgeschichte
Datum, Ort: 15.11.2013-16.11.2013, Frankfurt am Main
Deadline: 30.06.2013
Wirtschaftshistoriker sitzen häufig zwischen allen Stühlen. Die beiden Disziplinen, in denen sie sich verorten können, folgen ganz unterschiedlichen Annahmen und Zielsetzungen: Die Wirtschaftswissenschaften interessieren sich für Gleichgewichtszustände und überzeitliche, abstrakte Erklärungsmodelle, die Geschichtswissenschaft beschäftigt sich mit historischem Wandel und wechselnden Rahmenbedingungen menschlichen Handelns. Wirtschaftliche Aktivitäten gab es in jeder Epoche der Menschheitsgeschichte, die Theorien der Wirtschaftswissenschaft wurden hingegen vor dem Hintergrund moderner Wirtschaftsformen entwickelt. Die Erforschung vormodernen Wirtschaftens steht folglich stets vor besonderen methodischen Herausforderungen.
Wirtschaftshistoriker, die sich mit dem Mittelalter beschäftigen, bedienen sich deshalb ganz unterschiedlicher Herangehensweisen, um ökonomische Phänomene der Vergangenheit zu erklären und zu analysieren. Zum ersten werden quantitative Methoden aus den Wirtschaftswissenschaften für frühere Zeiten nutzbar zu machen versucht. Hierzu zählen etwa statistische Auswertungen oder Netzwerkanalysen. Auch institutions- oder unternehmensgeschichtliche Studien lassen sich für mittelalterliche Zeiten durchführen.
Zum zweiten können wirtschaftliche Phänomene mit den Herangehensweisen der Sozialwissenschaften erfasst werden. Dabei spielen ebenfalls quantitative Verfahren eine Rolle. Darüber hinaus werden systemtheoretische, kommunikationswissenschaftliche und wirtschaftssoziologische Methoden herangezogen.
Zum dritten öffnet sich gerade in jüngerer Zeit auch die historische Kulturwissenschaft für wirtschaftliche Themen. Entsprechend den hierbei angelegten „umfassenden, integrierenden und transdisziplinären Fragestellungen“ (Oexle, 2011) erscheint ein problemorientierter und komparatistisch angelegter Zugriff zur Wirtschaftsgeschichte vielversprechend. Im Mittelpunkt steht hier die Verknüpfung von Problemstellungen, wie dem wirtschaftlichem Handeln mit der Wissensschöpfung oder der Institutionalisierung mit den Inszenierungsformen ökonomischen Wissens.
Auf einer Tagung in Frankfurt am Main möchten wir Vertreter aller drei Herangehensweisen zusammenbringen. Wir möchten diskutieren, mit welchen Methoden wirtschaftshistorische Forscher heute Themen aus dem mittelalterlichen wirtschaftlichen Sektor bearbeiten. Es geht uns also nicht darum, bloße Überschneidungen zwischen Wirtschafts-, Sozial- und Kulturwissenschaft festzustellen. Die Konferenz richtet sich an Doktoranden und Postdoktoranden, die zu einem Thema aus der Wirtschaft des Spätmittelalters (ca. 1350-1600) arbeiten und ihre methodische Ausrichtung vorstellen und diskutieren möchten.
Interessenten bitten wir, bis zum 30. Juni 2013 einen Abstract (500 Wörter) und einen kurzen Lebenslauf zu senden an: arbeitskreis@wirtschaftsgeschichte.org
Julia Bruch (Universität Köln)
Ulla Kypta (Universität Frankfurt am Main)
Tanja Skambraks (Universität Mannheim)
Kontakt:
Ulla Kypta
Universität Frankfurt am Main, Historisches Seminar, Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main
ulla.kypta@gmail.com
Source de l’information : H-Soz-u-Kult





