Publication – « Parise la Duchesse. Chanson de geste du XIIIe siècle », trad. Bernard Ribémont

Parise la Duchesse est un texte intéressant à différents niveaux ; si l’auteur s’alimente à diverses sources, il les réexploite à sa façon, souvent de manière originale. De ce point de vue, la chanson apporte un double témoignage : d’une part, de la féconde intertextualité qui irrigue la littérature médiévale et, d’autre part, de la variabilité, de l’intervention d’auteurs qui ne sont pas enfermés dans le moule strict de la citation et de l’auctoritas. Par ailleurs, cette chanson véhicule un ensemble important de questions relatives au droit et à la jurisprudence, exemple du rôle que les chansons de geste ont pu jouer dans la représentation de l’imaginaire juridique et judiciaire de la société dans laquelle elles ont été composées.

Bernard Ribémont est professeur émérite de l’Université d’Orléans. Son travail de recherche se situe à la fois dans la longue durée (Antiquité tardive-fin du Moyen Âge) et dans une perspective interdisciplinaire. Ses travaux portent en majeure partie sur les textes didactiques (Christine de Pizan entre autres), sur les textes épiques, et sur les relations entre « savoirs savants » et littérature, tout particulièrement depuis une douzaine d’années sur le droit et la littérature.

Informations pratiques :

Parise la Duchesse. Chanson de geste du XIIIe siècle, trad. Bernard Ribémont, Paris, Honoré Champion, 20265 ; 1 vol., 268 p. (Classiques français du Moyen Âge, Traductions, 115). ISBN : 978-2-74536-509-5. Prix : € 30,00.

Source : Honoré Champion

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Publication – Nena Vandeweerdt, « Women and Work through a Comparative Lens. Gender and the Urban Labor Markets of Premodern Brabant and Biscay »

Women played a crucial role in medieval and early modern urban economies, yet their labor opportunities varied greatly depending on local institutions. This book compares the guild-structured labor markets of Antwerp and Mechelen in Brabant with Bilbao’s informal economy in Biscay during the fifteenth and sixteenth centuries. By analyzing these distinct institutional contexts, it offers a multifaceted understanding of women’s economic roles in premodern Europe. Drawing on a wide range of legislative and judicial sources, Vandeweerdt demonstrates how legal frameworks, socioeconomic structures, and individual strategies shaped women’s activities in small-scale trade. Bridging institutional analysis and personal agency, Women and Work through a Comparative Lens sheds new light on the interplay between labor organization and everyday practices in premodern Europe.

Nena Vandeweerdt is a postdoctoral researcher who studies gendered socioeconomic interactions in late medieval and early modern towns. She holds a PhD in History from the KU Leuven and the University of Cantabria. Her work focuses on urban labor markets, everyday life, and the use of digital humanities in historical research.

List of Figures
List of Tables
Acknowledgements
Abbreviations
A Note on Numbers

Introduction. Comparing Women’s Work
1. Institutions and Their Impact: The Guild Debate
2. “How Society Worked”
3. A North-South Comparison
4. Mapping the Terrain: Biscay and Brabant
Bilbao
Antwerp
Mechelen
5. Sources
6. Chapter Organization

Chapter 1. Tracing Women’s Work
1. Female Labor Sectors, Women’s Work, and Town Ordinances
Bread Trade
Fish Trade
Itinerant Informal Traders
Merchants
Artisan Workers
The Hidden Workforce
2. Women’s Financial Status
3. Conclusion

Chapter 2. Shaping the Framework
1. The Household Economy in Brabant and Biscay
Widows
Spousal Cooperation
Never-Married Household Members
Shifting Away from the Household Paradigm
2. Craft Guilds: The Stronghold of the Brabantine Urban Economy
3. Operating Informally: Main Street or Margins?
4. Conclusion

Chapter 3. Limiting Women’s Work
1. Bilbao’s Council and the “Protection of the Consumer”
2. Brabantine Guilds and Town Councils
Economic Motivations, Gendered Outcomes
The ‘Guild Effect’
3. Growing Restrictions?
4. Conclusion

Chapter 4. Wielding the Framework
1. Influencing Regulation
Wielding Authority
Direct Influence
Consent, Bargaining, and Leverage
2. Going to Court
Biscayan Tradeswomen in Court
Risk-Taking and Forum Shopping
The ‘Poverty Argument’
Group Recognition
3. Conclusion

Understanding Women’s Work

Bibliography
1. Archival sources
Biscay
Brabant
2. Printed sources
Brabant
Biscay
3. Secondary sources
4. Digital sources

Index

Informations pratiques :

Nena Vandeweerdt, Women and Work through a Comparative Lens. Gender and the Urban Labor Markets of Premodern Brabant and Biscay, Louvain, Leuven University Press, 2026 ; 1 vol., 250 p. (Mediaevalia Lovaniensia 52). ISBN : 978-9-46270-494-7. Prix :€ 29,50.

Source : Leuven University Press

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Appel à contribution – Konstruktionen des Falschen. Fälschung und Fake im Mittelalter

Unter dem Titel „Konstruktionen des Falschen. Fälschung und Fake im Mittelalter“ werden im Rahmen des 21. Symposiums des Mediävistikverbandes vom 22. bis zum 25. Februar 2027 an der Universität Münster die Phänomene Falschheit, Fälschung und fake in interdisziplinärem Zugriff erkundet.

Fälschungen zählen zu den klassischen Themen der Mediävistik. Für die historische Forschung bleibt es unerlässlich, die aus dem Mittelalter überlieferten schriftlichen und materiellen Zeugnisse mit strengem Blick auf ihre ‚Echtheit‘ zu prüfen. Das Bestreben, falsche Urkunden als solche zu entlarven, ja ganzen Fälscherwerkstätten rückwirkend das Handwerk zu legen, die Berichte der Historiographen unerbittlicher Kritik zu unterziehen, aber auch korrupte Überlieferungen textkritisch auszumerzen, hat nicht nur der historischen Erkenntnis unbezweifelbare Fortschritte beschert, sondern auch das Selbstverständnis des mediävistischen Betriebs profiliert. Sowohl in den Philologien als auch in der Geschichtswissenschaft war das Bemühen um den „Urtext“ ein wesentliches Motiv für die Etablierung einer fachwissenschaftlichen Methodik, ja bei der Ausdifferenzierung eigenständiger Fachdisziplinen überhaupt, ebenso wie das Bestreben, das „Original“ von der Kopie zu sondern, den Diskurs der Kunstgeschichte beflügelt hat.

Auf dem Symposium wollen wir eine andere Perspektivierung von Falschheit im Mittelalter vornehmen als die traditionelle Fälschungsforschung, indem zeitgenössische ‚Konstruktionen des Falschen‘ in den Blick genommen werden. Gefragt wird damit nicht nach Behauptungen, Texten oder Objekten, die aus heutiger Sicht falsch bzw. gefälscht sind, sondern danach, in welchen Kontexten und diskursiven Formationen ‚Falschheit‘ in den Kulturen des Mittelalters als solche konstruiert, ausgehandelt und kommuniziert wurde. Aus diesem Blickwinkel möchte das Symposium die Phänomene Falschheit, Fälschung und fake in interdisziplinärem Zugriff erforschen.

Wie Falschheit in ganz unterschiedlichen Feldern mittelalterlicher Gesellschaften ausgehandelt und ‚fabriziert‘ wurde, lässt sich nur in einer interdisziplinären Perspektive erforschen. Nach welchen Kriterien Fälschungen und Falschaussagen definiert und als solche zur Erscheinung gebracht werden, hängt von den spezifischen Diskursen und sozialen Kontexten ab, in denen Falschheit jeweils zugeschrieben und verhandelt wird. Welche spezifischen Formen von Falschheit überhaupt thematisiert und als relevant erachtet werden, kann in einem theologischen, rechtlichen, wirtschaftlichen oder ästhetischen Diskursrahmen jeweils unterschiedlich ausfallen. Diese Vielfalt an Evidenzkriterien, an diskursiven Regeln und epistemischen Bedingungen, die sich im Laufe des Mittelalters wandelten sowie regionale Besonderheiten aufwiesen, muss durch das Zusammenwirken von Geschichts- und Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Theologie, Philosophie, Rechtsgeschichte, Judaistik, Islamwissenschaft, Byzantinistik und aller weiteren mediävistischen Disziplinen untersucht werden. Die Multiperspektivität unterschiedlicher Fächer ist für die Erforschung des Falschen unerlässlich – und dies in bester mittelalterlicher Tradition: Dass am Privilegium maius, jener aus fünf gefälschten Urkunden bestehenden Konstruktion von Sonderrechten für die Habsburger, die der falsche Erzherzog Rudolf IV. von Österreich im Jahr 1358/59 fabrizieren ließ, irgendetwas faul sein musste, war mit Petrarca bereits einem Zeitgenossen aufgefallen, der als Historiker, Dichter, Philosoph und Jurist in besonderem Maße für ‚Interdisziplinarität‘ im Mittelalter steht.

Systematisierung und Teilbereiche

Die Zuschreibung von Falschheit kann unterschiedliche Formen annehmen. Diese Formen hängen maßgeblich davon ab, welchen Trägern oder Medien die Eigenschaft, ‚falsch‘ zu sein, in den Diskursen des Mittelalters jeweils zugewiesen wird. Wir möchten in einer ersten Hinsicht grundsätzlich zwischen Attribuierungen in Bezug auf Propositionen und Narrative (ad verbum), Akteure und soziale Gruppen (ad personam) sowie Objekte und Artefakte (ad rem) unterscheiden. Wird in bestimmten Kontexten etwa der Wahrheitsanspruch kursierender Gerüchte, theologischer Lehren oder literarischer Erzählungen zurückgewiesen, so geraten in anderen Fällen bestimmte Akteure ins Visier des Vorwurfs, durch Heuchelei, Verstellung oder Täuschung einen ‚falschen Schein‘ zu kreieren, unter dem sie ihr wahres Sein verbergen. Falschheitszuschreibungen gegenüber Dingen und Artefakten liegen hingegen vor, wenn materielle Objekte oder ganze Dokumente, wie Reliquien, Siegel, Münzen, Kunstwerke, Urkunden, Briefe oder religiöse Überlieferungen, als solche verdächtigt werden, Fälschungen zu sein.
In einer zweiten Hinsicht unterscheiden sich Falschheitszuschreibungen in Bezug auf ihren jeweiligen Geltungsanspruch. So kann sich die Deklaration ‚falsch‘ auf einen verfehlten Wahrheitsanspruch (‚unwahr‘), auf einen trügerischen Authentizitätsanspruch (‚unecht‘) oder auf einen verletzten normativen Geltungsanspruch (‚unrichtig‘ oder ‚ungültig‘) beziehen. Während Faktenaussagen oder religiöse Lehren hinsichtlich ihres Wahrheitsgehalts als falsch betrachtet werden, erfahren Urkunden, Reliquien oder soziale Rollen Zurückweisung in Bezug auf ihre Echtheit oder Authentizität. Ein Verhalten, das als Verletzung einer sozialen Norm erscheint, oder eine Textversion, die vom etablierten Standard abweicht, wird demgegenüber als unrichtig im Sinne einer unerwünschte Devianz betrachtet.
In Verbindung mit den drei Trägern der Zuschreibung (ad verbum, ad personam und ad rem) lassen sich die drei Geltungsansprüche des Falschen (unwahr, unecht und unrichtig) schließlich wiederum im Hinblick auf drei verschiedene Funktionen in den Blick nehmen, die derartige Attribuierungen von Falschheit jeweils erfüllen. Wir unterscheiden dabei zwischen Desambiguierung und Distinktion (1), Normierung und Ausschließung (2) sowie Legitimation und Delegitimation (3). Diese Funktionen bilden die ersten drei Teilbereiche unseres Symposiums. Ein vierter Bereich ist schließlich dem Thema Falschheit in der Forschungsgeschichte der Mediävistik gewidmet (4).

1. Desambiguierung und Distinktion

Auf einer basalen Ebene erfüllt die Zuschreibung von Falschheit die Funktion einer Vereindeutigung und Unterscheidung. Aussagen, Lehrsysteme, Erzählungen oder Objekte als falsch zu deklarieren, dient auf dieser grundsätzlichen Ebene dazu, die Grenze zwischen wahr und falsch zu bestimmten und epistemische Unsicherheiten einzuhegen. Philosophische und theologische Diskussionen in scholastischen Quaestiones zielen in diesem Sinne darauf ab, das Wahre vom Falschen durch Regeln zu sondern. Grundlegende Klärungen dieser Art begegnen jedoch in sehr verschiedenen Kontexten. Während vor Gericht im frühen Mittelalter noch mittels Reinigungseid, Gottesurteil oder gerichtlichem Zweikampf die „Wahrheit“ eines Sachverhalts ermittelt wurde, rekurrierte man seit dem Hochmittelalter zunehmend auf das Inquisitionsverfahren, in dem ein Richter von Amts wegen Beweistatsachen ermittelte, die geeignet waren, die Wahrheit oder Falschheit von Anschuldigungen festzustellen. Das Bedürfnis nach Vereindeutigung und Unterscheidung macht sich in mittelalterlichen Gesellschaften ebenso in Phasen einer gesteigerten Unsicherheitserfahrung bemerkbar, in denen unterschiedliche Meinungen oder Gerüchte zirkulierten, deren Wahrheitsgehalte den Zeitgenossen zweifelhaft erschienen. Chronisten oder andere zeitgenössische Beobachter waren in solchen Situationen häufig bemüht, bestimmte Behauptungen durch Rekurs auf verschiedene Mittel der Prüfung oder anhand von Plausibilitätsvermutungen als unglaubwürdig oder falsch zu deklarieren, um die bestehende Unsicherheit zu bewältigen. In der Literatur dient die Aufdeckung von Täuschungen oder die Entlarvung von Heuchlern dazu, Ambiguität zu reduzieren. Derartige Praktiken der Desambiguierung können auch in Form von Visualisierungen begegnen, die die Falschheit bestimmter Sachverhalte vor Augen stellen.

Mitunter führten diese Zuschreibungen von Falschheit bei den Zeitgenossen, die ihre Umwelt beobachteten, auch zu Reflexionen darüber, welche Gefahren von falschen Gerüchten ausgingen und wie mit kursierenden Falschmeldungen oder Lügen umzugehen sei. Dies konnte etwa in rhetorischen Traktaten oder in Beichthandbüchern, in theologischen oder juristischen Erörterungen über die ‚Lüge‘, aber ebenso in der Literatur des Mittelalters geschehen, in welcher die erfolgreiche Verbreitung sowie die Aufdeckung von Falschnachrichten mitunter dezidiert thematisiert oder satirisch verarbeitet wurden. Gleichzeitig trug die Literatur des Mittelalters in diesem Kontext entscheidend dazu bei, Kategorien und Begriffe zu etablieren, mit denen verschiedene Formen von Falschheit – wie Lüge, Betrug, Fälschung oder Dissimulation – differenziert werden konnten. Derartige Reflexionen über das Falsche erhielten in der Literatur besondere Dynamik, insofern sich die mittelalterliche Dichtungstheorie mit dem klassischen Vorwurf, die Fiktionen der Dichtung seien nichts als Lügen, auseinanderzusetzen hatte. In diesem Zusammenhang ist auch die mittelalterliche Rezeption der aristotelischen Unterscheidung von poesia und historia zu bedenken.

Daraus ergibt sich schließlich die Frage, inwiefern es bereits im Mittelalter Reflexionen über Bedingungen gab, unter denen zwischen „wahr“ und „falsch“ entschieden werden konnte. Zu untersuchen ist auch, wer Prüfungen und Verifikationen durchführen konnte und auf welchen Grundlagen diese basierten. Gefragt werden kann, ob es die Position von Beobachtern zweiter Ordnung gab, die solche Reflexionen „von außen“ anstellten und mittelalterliche Praktiken und Diskurse wahrnehmen und darüber reflektierten. Schließlich lässt sich auch die Frage stellen, ob bereits im Mittelalter über die Zulässigkeit und das Potential des Einsatzes technischer Hilfsmittel und Instrumente nachgedacht wurde, die Einfluss auf die Konstituierung „wahrer“ und „falscher“ Tatsachen gehabt haben könnten.

2. Normierung und Ausschließung

Indem bestimmte Artefakte, Textüberlieferungen, liturgische und künstlerische Techniken (etwa im Bereich der Musik, Dichtkunst oder Malerei), philosophische Lehrsätze, theologische Dogmen, ganze religiöse Strömungen oder soziale Praktiken (z.B. der Lebensführung oder des Regierens) als ‚falsch‘ betrachtet und objektiviert werden, realisieren Falschheitszuschreibungen die Funktion einer Normierung und Ausschließung. Ein spezifischer Fall sind Lehrverurteilungen des Mittelalters, die bestimmte Ansichten als unwahr aus dem Diskurs verbannen, der auf diese Weise eine Regulierung erfährt. Die Deklaration von Behauptungen oder Glaubenssätzen als heterodox dient gleichzeitig einer Normierung der jeweiligen Orthodoxie. Regulierungs- und (damit verbunden) Kanonisierungsprozesse finden jedoch ebenso statt, wenn bestimmte Textversionen, liturgische Praktiken, künstlerische Techniken und Stile oder soziale Verhaltensweisen als unrichtig bestimmt und damit aus dem jeweils normativ etablierten Kanon exkludiert werden. Normative Quellen, wie Fürstenspiegel, moraltheologische, dichtungstheoretische und musiktheoretische Traktate oder Vorschriften der (religiösen) Lebensführung lassen sich im Hinblick auf derartige Ausschlusspraktiken befragen.
Die Prüfung des Wahrheitsgehaltes – verbunden mit der Aussonderung von falschem oder zweifelhaftem Material – spielte auch eine besondere Rolle bei der Konstituierung von Traditionsketten islamischer Überlieferungen über Aussprüche und Handlungen des Propheten oder von Prophetengenossen. Spezialisten für die Überprüfung von Ḥadīṯen bemühten sich darum, möglichst vertrauenswürdige, kurze Überlieferungsketten ausfindig zu machen, die den Wahrheitsgehalt des überlieferten Inhalts (als „gesunde“ Ḥadīṯe) gewährleisten sollten, die dann normative Geltung im Rahmen des islamischen Rechts beanspruchen konnten. Eine Strategie der Autorisierung bestand darin, vor- und außerislamisches Wissen bestimmten frühislamischen Überlieferern zuzuschreiben, um solches Wissen dann zu legitimieren und nutzbar zu machen. Der Ausschluss bestimmter, als falsch deklarierter Überlieferungen oder Inhalte ging auch dabei mit einer Normierung des Kanons einher.

3. Legitimation und Delegitimation

Die Zurückweisung der Geltungsansprüche von Behauptungen, Lehren, sozialen Rollen oder Artefakten, die damit jeweils als falsch deklariert werden, dient in verschiedenen Kontexten dazu, die Positionen gegnerischer Parteien zu delegitimieren oder die Rechtmäßigkeit von Herrschafts- und Besitzansprüchen, die auf der Echtheit bestimmter Dokumente oder Objekte basieren, in Abrede zu stellen. Falschheitszuschreibungen zum Zweck der (De)legitimation begegnen besonders in Konfliktkonstellationen, in denen die Zeitgenossen veranlasst wurden, über die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge oder Echtheit und Fälschung zu streiten. So konnten die Zirkulation sowie der propagandistische Einsatz von ‚Gerüchten‘ mit offenen Konflikten um deren Wahrheitsgehalt einhergehen. In derartigen Kontroversen, in denen widerstreitende Geltungsansprüche aufeinanderprallten, waren die Konfliktparteien darum bemüht, die jeweils andere Position als falsch, lügnerisch oder irrtümlich auszuweisen. Die Wahrheits- und Authentizitätsansprüche von hagiographischen Erzählungen, Urkunden, Siegeln oder Reliquien wurden mitunter bestritten, um darauf beruhende Reklamationen von Besitz, Prestige, Herrschaft oder sozialem Rang als illegitim auszuweisen.

Andere Fälle betreffen Zeiten politischer Krisen, in denen Thronprätendenten auftraten, die behaupteten, in ihnen sei ein seit langem abwesender oder gar verstorben geglaubter Herrscher zurückgekommen. Solche „falschen Herrscher“ wurden instrumentalisiert, um dynastische Machtansprüche zu erheben, wobei solche Prätendenten, deren Echtheit unter den Zeitgenossen mitunter heftig umstritten war, häufig gerade in Städten auftraten und dort in bestimmten sozialen Milieus auf Akzeptanz stießen. „Papstfabeln“ wiederum forderten herkömmliche Narrative über die Legitimation des Papstamtes heraus, indem über die Idoneität von Anwärtern, die Akzeptanz von Verhaltensweisen und die Bedingungen der Möglichkeit einer weiblichen Amtsnachfolge bzw. deren Verhinderung reflektiert wurde. Wie bei den „falschen Herrschern“ ging es hier darum, mit narrativen und rhetorischen Mitteln über die Legitimität von Ansprüchen zu verhandeln und zu streiten. Die zahlreichen Vorwürfe von Hypokrisie oder Betrug, die in religiösen, politischen oder ökonomischen Kontexten mittelalterlicher Gesellschaften erhoben und in der Literatur reflektiert wurden, zielen vielfach darauf ab, die falsche Fassade von Akteuren und Gruppen zu enttarnen, deren Handeln auf diese Weise als unrechtmäßig diffamiert wird. Konstruktionen von Falschheit zum Zweck der Delegitimation wurden im Mittelalter aber ebenso in und durch Bildmedien bewerkstelligt, wie etwa anhand der Darstellungen von Lügnern und Heuchlern oder in den Visualisierungen von Verrat und Betrug in Schandbildern greifbar wird.
Der Vorwurf der Fälschung normativer religiöser Quellen wurde im Mittelalter von verschiedener Seite erhoben. Nach islamischem Verständnis hatten Juden und Christen die ihnen offenbarten heiligen Schriften verfälscht; vor diesem Hintergrund erschien der Islam als Wiederherstellung des angeblichen ursprünglichen, reinen Monotheismus. Schon zuvor waren in antijüdischer christlicher Polemik Vorwürfe erhoben worden, die Juden hätten ihre heiligen Schriften (das christliche Alte Testament) gezielt verfälscht, um nicht die Messianität Jesu von Nazareth anerkennen zu müssen. Juden wehrten sich gegen christliche Verunglimpfungen mit einer polemischen Jesusbiographie, den Toledoth Jeshu, in denen der angebliche Messias als Betrüger „unreiner“ Herkunft desavouiert wird. Der islamische Prophet Muḥammad wiederum erscheint in der lateinischen und griechischen Islampolemik als Mahomet, der als Häresiarch, Pseudoprophet und Antichrist geschmäht wird. In all diesen Fällen wurde vor bestimmten Teilöffentlichkeiten und Adressatenkreisen um die Legitimität von Wahrheits- und Authentizitätsansprüchen verhandelt und gestritten.

4. Das ‚Falsche‘ in der Mediävistik

Der vierte Teilbereich des Symposiums ist der Rolle gewidmet, die der Umgang mit Falschheit und Fälschungen sowie deren Aufdeckung in der Etablierung und Selbstverständigung der mediävistischen Disziplinen seit dem 19. Jahrhundert gespielt hat und bis heute spielt. Dabei soll es auch darum gehen, welche Nachwirkungen mittelalterlicher Fälschungen und Falschheitszuschreibungen in der modernen Forschungsgeschichte gezeitigt haben. Dazu zählen nicht nur Debatten um die Echtheit von Urkunden, Münzen und Reliquien oder die Identität der „falschen Herrscher“; auch die Diskussionen um das Verhältnis von Wahrheit und Fiktion in mittelalterlichen Reiseberichten fallen in diesen Bereich. Der Wahrheitsgehalt der Schilderungen Marco Polos, der sich eines in rhetorischen und narrativen Techniken geschulten Spezialisten bediente, um seinen Reisebericht zu verschriftlichen, ist in der modernen Forschung – nicht nur deshalb – bis heute umstritten. Die Frage nach Historizität und Authentizität, nach Legenden und Fälschungen in Reiseberichten stellt sich auch im Hinblick auf die „Reise“ (riḥla) des Ibn Baṭṭūṭa, der angeblich bis nach Indien und China gelangt sein soll.
Schließlich haben moderne Fälschungen in der Mittelalterforschung mitunter eine beachtliche Wirkung entfaltet. In der Kunstgeschichte wurde „gefälschtes Mittelalter“, d.h. Fälschungen der Neuzeit, lange als echt akzeptiert und entsprechend forschungsgeschichtlich rezipiert. Gerade weil die Fälscher mitunter über beträchtliches Wissen im Hinblick auf mittelalterliche Techniken und Materialien verfügten, konnten die von ihnen verfertigten Artefakte lange Zeit Grundlage mediävistischer Forschung sein.

Einreichung von Sektions- und Vortragsvorschlägen
Vorschläge für Sektionen und Einzelvorträge werden bis zum 31.05.2026 per Mail erbeten an falsemed27@uni-muenster.de.

Sektionen steht ein Slot von 90 Minuten zur Verfügung, sie bestehen in der Regel aus drei Vorträgen, die interdisziplinär anschlussfähig sein sollen. Die Vortragsdauer beträgt max. 20 Minuten. Die Vortragenden einer Sektion sollen mindestens zwei unterschiedliche Fächer vertreten.

Jeder Vorschlag (Einzelvortrag und Sektionsvortrag) soll mit einem kurzen Abstract von max. 2000 Zeichen inkl. Leerzeichen versehen sein. Bei Sektionseinreichungen soll zusätzlich ein kurzes Gesamtkonzept zu übergreifenden Fragestellungen und Zielen (max. 2000 Zeichen inkl. Leerzeichen) gegeben werden.

Es wird darum gebeten, bei der Einreichung die Nummer des Themenblocks (1-4, s.o.) sowie die beabsichtigte Vortragssprache anzugeben.

Wir freuen uns auf Ihre Einreichungen!

Kontakt

Wolfram Drews und Christian Scholl
falsemed27@uni-muenster.de

Source : H-Soz-Kult

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Exposition – Graver & Interpréter à la Haute Renaissance

Du 14 février au 10 mai, le Domaine & Musée royal de Mariemont et l’Université de Liège présentent « Graver & Interpréter à la Haute Renaissance ».

L’expo-focus révèle comment les modèles de la Renaissance se sont multipliés et diffusés grâce à la gravure d’interprétation, offrant un autre regard sur l’art du 16e siècle. Elle permet de redécouvrir l’œuvre de grands maîtres célèbres sous une forme originale, de mettre à l’honneur une pratique artistique encore méconnue du grand public et de découvrir le travail pionnier de l’artiste Giovanni Antonia da Brescia. Comme un retour dans le temps, elle montre comment ces artistes aujourd’hui universellement reconnus ont gagné en notoriété à travers l’Europe dès leur époque.

La circulation des arts en Europe

Bien avant l’invention de la photographie, la gravure constitue un formidable moyen de circulation des images et des idées. Les gravures d’interprétation participent ainsi activement à la renommée des maîtres de la Renaissance, contribuant à la diffusion d’un langage artistique commun au sein de l’Europe du 16e siècle.

Origine d’une pratique et rôle de da Brescia  

L’expo-focus revient sur les prémices de cette pratique artistique, dont l’essor s’accentue autour de 1510, grâce à la collaboration entre Raphaël et Marcantonio Raimondi. Elle met en lumière un pionnier : Giovanni Antonio da Brescia, graveur actif entre 1500 et 1520, qui a traduit en gravure les œuvres de Mantegna, de Vinci, Dürer, Raphaël, ainsi que des sculptures antiques de référence. Aucune exposition n’avait encore été dédiée à Giovanni Antonio da Brescia dont l’œuvre, bien que fondatrice, demeure largement méconnue.

Chefs-d’œuvre et gravures d’interprétation originales

Le parcours confronte des gravures d’interprétation originales à des reproductions photographiques des plus grands chefs-d’œuvre de la Renaissance : La Cène de Léonard de Vinci, Les Triomphes de César de Mantegna, Le Fils prodigue de Dürer, Neptune calmant les vents de Raphaël

Des figures mythologiques ou bibliques, des portraits de vieillard ou de dame de cour reflètent les goûts et modes de la Renaissance.

L’expo-focus explore également l’intérêt du début du 16e siècle pour l’Antiquité, stimulé par les découvertes de monuments emblématiques dans le sol de Rome. Parmi les premiers, da Brescia reproduit le Torse du Belvédère, la Vénus Mazarin et divers motifs ornementaux inspirés des somptueux décors de la Domus Aurea, vaste complexe palatial édifié sous le règne de l’empereur Néron.

Gravures rares et inédites

Une quarantaine de gravures originales, accompagnées de reproductions photographiques, de sculptures et d’outils d’atelier, permettent de reconstituer le contexte artistique foisonnant du début du 16e siècle. 

Grâce à la collaboration exceptionnelle de la BnF, l’exposition présente des gravures d’une rareté remarquable — certaines connues en deux exemplaires seulement, d’autres uniques au monde.

Les autres prêts proviennent de collections muséales de premier plan :

  • Le Louvre et la collection Edmond de Rothschild ;
  • La bibliothèque royale de Belgique (KBR) ;
  • Le Musée Wittert de l’Université de Liège (dont les huit œuvres prêtées sont jusqu’ici inédites) ;
  • Le Centre de la Gravure et de l’Image imprimée.

Les visiteurs se familiarisent avec la technique de la gravure au burin grâce à une vidéo réalisée par le musée de l’Imprimerie de Nantes, diffusée ici par le musée de Pont-Aven.

Enfin, une sélection d’œuvres antiques des collections de Mariemont crée un pont visuel et stylistique entre Antiquité et Renaissance.

L’expo-focus invite à découvrir le rôle fondamental de la gravure d’interprétation dans l’histoire de l’art et à parcourir l’héritage d’un artiste fascinant longtemps oublié.

Commissariat

L’exposition est réalisée sous le commissariat de Laure Fagnart, historienne de l’art et maître de recherches du F.R.S-FNRS/Université de Liège, et de Stefania Tullio Cataldo, historienne de l’art indépendante, enseignante à l’Université Catholique de l’Ouest (Angers) et membre associé au CNRS (Laboratoire ITEM)

Production et partenaires 

L’exposition est une coproduction entre le Domaine & Musée royal de Mariemont et l’ULiège, avec la collaboration exceptionnelle de la Bibliothèque nationale de France. 

Cette expo focus s’inscrit dans une longue tradition de collaboration entre Mariemont et l’Université de Liège. Après plusieurs manifestations conjointes consacrées à l’Antiquité, elle marque une première collaboration dédiée à la Renaissance et ouvre un nouveau chapitre dans le partenariat entre l’ULiège et Mariemont.

Adresse : Musée royal de Mariemont Chaussée de Mariemont, 100 7140 Morlanwelz Belgique

Source : Mariemont

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Journée d’étude – Jeunes chercheuses et chercheurs sur la Bourgogne-Franche-Comté

Le cycle de conférences Jeunes chercheuses et chercheurs sur la Bourgogne-Franche-Comté, initié par David BARDEY et Rudi BEAULANT en 2017-2018 et organisé depuis 2023 par Alix GIORDANO et Baptiste RAMEAU, évolue et adopte à partir de cette année la forme d’une journée d’étude. En partenariat avec l’Université de Bourgogne Europe, la Maison des Sciences de l’Homme de 

Dijon, le laboratoire ArTeHiS (UMR 6298), les Archives départementales de la Côte-d’Or et la Société des Amis des Archives et des Deux Bourgognes, cette journée 

a pour but de valoriser et diffuser les travaux de jeunes chercheuses et chercheurs sur l’histoire, l’archéologie et l’histoire de l’art de la Bourgogne-Franche-Comté. 

Il s’agit de présenter et mettre en avant les sources d’archives à partir desquelles travaille le jeune chercheur, ainsi que la manière dont il élabore le raisonnement scientifique qui lui permet d’aboutir aux résultats de ses investigations. L’objectif est aussi de montrer l’articulation, en fonction des sujets, entre les sources conservées aux Archives départementales de la Côte-d’Or et les différents dépôts municipaux, tant archives que bibliothèque. Enfin, ces interventions offriront l’opportunité au public de prendre connaissance des dynamiques actuelles de la recherche sur la Bourgogne-Franche-Comté, notamment en lui permettant d’accéder, durant cette journée, aux originaux des documents utilisés par les différents intervenants.

Cette journée a pour but de montrer la vitalité de la recherche en Bourgogne-Franche-Comté, en la mettant à la disposition de tous au cœur de la ville de Dijon.

DATE ET LIEU :

15 avril 2026 (10h-16h), 8 rue Jeannin, 21000 DIJON.

ORGANISATION ET COORDINATION :

Alix Giordano (Doctorante, UMR 6298 ArTeHiS, Université de Bourgogne Europe).
Contact : alix.giordano@u-bourgogne.fr

Baptiste Rameau (Docteur, UMR 6298 ArTeHiS, Université de Bourgogne Europe).
Contact : baptiste.rameau@u-bourgogne.fr

10h : Accueil

Matérialité des sources et dialogue entre les archives textuelles et matérielles

10h30 : Maëlle Chevalier (doctorante en archéologie, Université Bourgogne Europe, UMR 6298 Artehis) – Les clos viticoles : archéologie du paysage du vignoble bourguignon à travers les archives (Xe-XIXe siècles)

11h : Camille Kubiak (doctorante en histoire de l’art, Université Marie & Louis Pasteur, Centre Lucien Febvre) – Un chantier inconnu à la cathédrale de Besançon au XVe siècle : quand les archives ouvrent des pistes

11h30 : Julien Lauzanne (doctorant en archéologie, Université Bourgogne Europe, UMR 6298 Artehis) – La mémoire de la Résistance face aux vestiges archéologiques : l’exemple des maquis du Morvan

12h00-14 h : Pause

La Bourgogne en interaction : observatoire des dynamiques économiques, politiques et territoriales européennes (Moyen Âge – Époque contemporaine)

14h : Gary Alardin (doctorant en Histoire, Université Marie & Louis Pasteur, Centre Lucien Febvre) – « C’est tousjours le chemin de la Bourgogne » : La Bourgogne, porte d’entrée des renforts militaires du parti huguenot pendant les guerres de Religion (1562-1598)

14h30 : Cindy Debierre (doctorante en histoire de l’art, Nantes Université, UMR 6566 CReAAH) – Construire le pouvoir dans l’ancien comté de Bourgogne au XVIIIe siècle : circulations, échanges et adaptations architecturales

15h : Lionel Hodapp (professeur d’histoire-géographie) – L’exposition universelle de Dijon en 1858 : un rayonnement européen ?

15h30 : Conclusion

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Journée d’étude – Les Albret. Des origines au XVIe siècle

La journée d’étude « Les Albret. Des origines au XVIe siècle » organisée la direction de Pierre Courroux (ITEM UPPA), aura lieu à Labrit (40) les 23 et 24 avril 2026.

Seigneurs dont les origines obscures se perdent dans la Grande Lande des alentours de l’an mil, les Albret sont, en quelques siècles, passé du statut de potentats locaux à celui de princes du sang et de rois de Navarre. Lorsqu’à la mort de Jeanne d’Albret, en 1572, leur lignée se fond dans celle des Bourbons, bientôt appelés à la couronne de France, leurs terres forment le dernier grand domaine féodal du royaume de France. Cette success story s’est construite lentement, souvent par une politique opportuniste, voire prédatrice. L’histoire des Albret a son lot de captations agressives d’héritages et de retournements de veste. C’est ainsi qu’ils changèrent trois fois de camp entre France et Angleterre en 70 ans au XIVe siècle ! Mais il y a également des relations durables avec les principales principautés voisines, notamment les Armagnac et les Foix, dont ils capteront l’héritage ; avec les villes des environs, qu’ils en soient les seigneurs ou bien qu’ils s’en servent comme d’un lieu d’expression de leur influence (Bazas, Condom, Bordeaux, Bayonne) ; avec la monarchie, d’abord Anglaise puis Française.

Enfin, l’ascension des Albret s’appuie sur une administration longtemps embryonnaire qui se développe après coup, une fois leurs terres devenues trop vastes pour être gérées comme un de simples seigneuries individuelles. L’apogée de cela est l’érection en 1550 du duché d’Albret, portant leur nom, rassemblant des terres diverses qui appartenaient auparavant à des régions diverses.

Cette journée d’étude propose de revenir sur ces différents thèmes pour mieux comprendre, au fil des siècles, les enjeux de la lente construction du pouvoir des Albret dans le Sud-Ouest. L’accent sera mis sur la période allant du XIIe au XVIe siècle, plus riche en archives et moins étudiée que les premiers siècles des Albret, pour lesquels nous disposons toujours de l’irremplaçable étude de Jean-Bernard Marquette.

Jeudi 23 avril

8h45 Introduction

9h10 Katie BENNETT (Univ. de York) : Bernard-Ezi d’Albret, seigneur d’Albret (r.1326-1359), et ses changements d’allégeance pendant la guerre anglo-française

10h Pause

10h20 Guilhem PEPIN (Dr de l’Univ. d’Oxford)  Le Prince Noir et les Albret

11h10 Emmanuel JOHANS (Univ. du Mans) : Les relations entre Albret et Armagnac, des appels gascons au temps des connétables (1368-1418)

12h Pause déjeuner

14h : Frédéric BOUTOULLE (Univ. de Bordeaux) : Revoir les coutumes dans les seigneuries des Albret. Le cas des coutumes de Maremne

14h50 : Pause

15h10 : Pierre SIMON (Académie des sciences, lettres et arts d’Agen): Les Albret et les coutumes en Agenais, XIIIe – XVIe siècles

16h : Visite du château de Labrit par Yan LABORIE (Musée de Bergerac)

Vendredi 24 avril

9h Christophe FURON (Univ. de Nantes) : Charles II d’Albret : la guerre au service du roi et des intérêts du lignage

9h50 Pause

10h10 Pierre COURROUX (Univ. de Pau et des pays de l’Adour) : L’activité politique d’Alain d’Albret (1471-1522) vue à travers sa correspondance

11h Alvaro ADOT LERGA (Univ. Computense de Madrid) : Jean d’Albret, souverain de Navarre récupéré de l’oubli (1472-1516)

11h50 Pause déjeuner

14h Philippe CHAREYRE (Univ. de Pau et des pays de l’Adour) : Les Albret et la religion à la Renaissance (1527-1572)

14h50 Pause

15h10 Dénes HARAI (Univ. de Pau et des pays de l’Adour) : Henri d’Albret, baron de Miossens, lieutenant général d’Henri de Navarre (1575-1576)

16h00 Sarah BONNET (Archives du Lot-et-Garonne) et Grégory CHAMPAUD (Sciences Po Bordeaux) : Le faste des Albret. Politique et représentation princière lors de la venue à Nérac de Catherine de Médicis et de Marguerite de Valois (1578-1579)

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Bourse – Bourse Pierre Léon

L’AFHE a décidé d’offrir deux allocations de recherche à hauteur de 800 euros chacune pour financer une participation à un colloque ou une conférence à l’étranger.

Cette bourse est dédiée à la mémoire de Pierre Léon.

Conditions d’éligibilité

–            Les personnes candidatant ne doivent pas avoir de poste de titulaire dans l’enseignement supérieur. Cet appel est ouvert aux collègues du secondaire titulaires d’un doctorat.

–            Les personnes candidatant doivent :

  • Être inscrites en thèse de doctorat en France, ou en vue de la rédaction d’un travail d’histoire économique francophone (toutes aires, toutes périodes, toutes disciplines concernées)
  • Ou être titulaires d’un doctorat d’histoire économique ou décerné en France, ou francophone (toutes aires, toutes périodes, toutes discipline concernées).

–            La bourse est attribuée sous condition d’acceptation à l’une au moins des sessions d’une conférence / colloque (y compris une session poster) ou pour l’organisation d’une session dans une conférence.

–            Les personnes candidatant ne doivent pas avoir obtenu d’autre bourse portant uniquement sur le même objet (engagement sur l’honneur). Les co-financements des écoles doctorales sont en revanche possibles.

–      Les personnes candidates doivent avoir adhéré à l’association et être à jour de leur cotisation (tarif étudiant : 15 € / autre : 30 €)

Dossier de candidature

Le dossier de candidature comprendra :

Pour les personnes inscrites en doctorat :

–        Une preuve d’inscription dans un cursus doctoral

–            Un bref avis de la personne dirigeant les recherches (maximum 2 pages)

–        Un CV (maximum 2 pages)

–        Les documents relatifs à la session et à la communication acceptée (confirmation d’inscription, mail d’acceptation, etc.)

–        Un résumé de la communication acceptée (maximum 2 pages)

–        Un budget approximatif

Pour personnes titulaires d’un doctorat :

–        Photocopie du diplôme de doctorat

–        Le rapport de soutenance

–        Lettre de présentation des travaux (motivations)

–        Un CV (maximum 2 pages)

–        Les documents relatifs à la session et à la communication acceptée (confirmation d’inscription, mail d’acceptation, etc.)

–        Un résumé de la communication acceptée (maximum 2 pages)

–        Un budget approximatif

–        Résumé de la communication acceptée (500 mots maximum + bibliographie)

Financement

Le versement se fera à la désignation.

Engagements des récipiendaires du prix

En retour, les personnes lauréates s’engagent à :

–        Mentionner l’AFHE dans leur présentation (logo sur la page de présentation et indication sur la dernière diapositive et/ou la dernière page de la communication imprimée que « Cette recherche a été financée par l’AFHé »)

–        Fournir une preuve de la matérialité de leur participation au colloque

–        Ne pas demander un double remboursement pour les mêmes dépenses.

Jury

Les prix seront attribués par le comité directeur de l’AFHé.

Calendrier

Les dossiers de candidatures doivent être déposé avant le 15 juin 2026.

Source : Association française d’histoire économique

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Colloque – L’absence et ses interprétations. Interroger l’incomplet et le fragmentaire au Moyen Âge et à la première Modernité

Entrée libre, inscription souhaitée auprès de jd.transitions@uliege.be

11 et 12 mai 2026

Salle Lumière et R100
Place du 20-Août, 7
4000 Liège

Lundi 11 mai – Université de Liège (Salle Lumière)

9h : Accueil des participants.

9h20 : Mot d’accueil.

9h30 :Fanny Goblet (ULiège),Mot d’introduction.

Axe 1 : Pratiques et expériences de l’absence hier

Modération – Julien Régibeau (ULiège)

9h40 : Thomas Billard (EHESS), L’omniprésence de l’absence : ethnographie de pratiques comptables urbaines dans l’Empire méridional (Bâle, Nördlingen, Nuremberg, XIVe-XVe siècle).

10h : Perrine Stennier (Université de Liège), Criminel, un métier à part entière ? Traiter l’absence de mention de profession dans les registres criminels de la justice communale italienne du XVe siècle.

10h20 : Discussion.

10h50 : pause-café

Modération – Émile Thonar (ULiège)

11h10 : Laetitia Xhrouet (Université catholique de Louvain Saint-Louis), L’absence comme choix ? Silences et omissions dans les Chroniques de Haynaut de Jean Wauquelin.

11h30 : Morgane Thro (Sorbonne-Université), Images de l’Enfer et pastorale de la peur dans le Mexique du XVIe siècle : le paradoxe de l’absence visuelle confronté à la présence des mots.

11h50 : Discussion.

12h20 : repas

Modération – Sophie Lecomte (ULiège)

13h30 : Marwane Ovieve (Sorbonne-Université), Ce que la « détachabilité » fait aux parémies : étude de cas dans les Histoires tragiques.

13h50 : Anne Godard (ULiège), La flore cultivée dans les jardins des Pays-Bas méridionaux aux XVIe et XVIIe siècles : une approche croisée au service d’un objet d’étude périssable.

14h10 : Discussion.

14h40 : pause-café

Axe 3 : Exposition et vulgarisation de l’absence

Modération – Nicolas Navarro (ULiège).

15h00 : Julien Muraille (ULiège), Créer sans voir ? Les illustrations du Groot Schilderboek de Gérard de Lairesse : stratégies créatrices d’un artiste aveugle.

15h20 : Vandi Makubikua (ULiège /Université du Québec en Outaouais), Rendre visible l’esclave au musée.

15h40 : Discussion.

16h10 : pause-café

16h30 – Conférence : Vincent Debiais (EHESS), Anthropologie du défaut : images et réalisations du manque dans la culture visuelle médiévale.

18h : Visite de la ville de Liège / temps de repos

Mardi 12 mai – Université de Liège (R100)

10h30 : café

Axe 2 : Perceptions de l’absence dans nos méthodes de recherche

Modération – Mathilde Kaisin (ULiège)

10h45 : Benoît Traineau (Université de Poitiers), Entre les vers absents : étude d’un corpus carolingien lacunaire.

11h05 : Inès Rieille (Université de Neuchâtel), Interpréter l’exception : approches méthodologiques pour étudier les trois médaillons homoérotiques féminins des Bibles moralisées

du XIIIe siècle.

11h25 : Gabriel Grelier (École nationale des chartes), Les conjectures du silence. Philippe Ier d’Orléans (1336-1375) comme étude de cas sur les lacunes archivistiques et la réserve dans le monde curial français au XIVe siècle.

11h45 : Discussion.

12h30 : repas

Modération – Ninon Dubourg (Université de Cologne)

13h30 : Maria Kammerlander (Université Albert-Ludwig de Fribourg), Colores rhetorici. Les Libri Sententiarum comme artefacts d’une culture scientifique révolue.

13h50 : Pierre-Vincent Dépis (EHESS/Université technique Dresden), Procédures, pratiques et significations de l’absence à la fin du Moyen Âge et durant la première modernité : la justice vehmique dans l’Empire ou le dépassement des paradoxes d’une dissonance procédurale et interprétative.

14h10 : Discussion.

14h40 : pause-café

Modération – Bogdan Smarandache (ULiège)

15h : Martina Ognibene (EHESS), Les silences parlants : les mots non-dits dans les procès pour

violences sexuelles (1540-1789).

15h20 : Leonard Barbulesco-Vesval (Sorbonne-Université), Approcher les personnels hospitaliers au XVIIIe siècle malgré des absences archivistiques : un défi méthodologique.

15h40 : Discussion.

16h10 : Vincent Debiais (EHESS), conclusion du colloque.

Source : Université de Liège

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Journée d’étude – Jean Hey et le triptyque de Moulins : regards croisés sur une œuvre restaurée

Journée d’études en accès-libre (9h-16h45). Visite au musée du Louvre dans la limite des places disponibles et sur inscription avant le 15 avril 2026 aux adresses elliot.adam[@]univ-lille.fr et sophie.caron[@]louvre.fr.

Organisée par Elliot Adam, Sophie Caron, Philippe Lorentz et Dominique Martos-Levif

Cette journée d’études est organisée à l’occasion de la présentation exceptionnelle du triptyque de la Vierge glorieuse de la cathédrale Notre-Dame de Moulins au musée du Louvre du 26 novembre 2025 au 31 août 2026, à la suite de sa restauration fondamentale dans les ateliers du C2RMF par l’atelier Arcanes pour la couche picturale et le groupement Tournillon pour le support bois. Elle a été conduite à l’initiative de la DRAC Auvergne Rhône-Alpes entre 2022 et 2025. L’étude et la restauration de ce chef-d’œuvre de la peinture des années 1500 en France, œuvre maîtresse du peintre flamand Jean Hey, actif à Moulins au service des ducs de Bourbon, ont soulevé de nouvelles questions – usage de l’or et traitement de la gloire environnant Marie, polychromie originale du cadre du panneau central, format des volets, inachèvement des revers en grisaille – qui seront au cœur des échanges de cette journée d’études, croisant les regards des acteurs de l’histoire de l’art et des sciences du patrimoine.

Programme :

9h00 Mots d’accueil et état de la question
Elliot Adam (Université de Lille), Sophie Caron (musée du Louvre), Philippe Lorentz (Sorbonne Université) et Dominique Martos-Levif (C2RMF)

9h30 Présentation générale de l’étude, de la restauration et du réaménagement de la sacristie de la cathédrale Notre-Dame de Moulin
Dominique Martos-Levif (C2RMF) et Grégoire Chalier (DRAC Auvergne Rhône-Alpes)

10h00 Table ronde. Les expérimentations techniques d’un peintre flamand en France
Parmi les thèmes abordés, la caractérisation des pigments et des feuilles métalliques, les procédés picturaux de Jean Hey, la mise en œuvre et l’usage de l’or et de l’or parti avec des glacis, l’étude préalable de La Vierge à l’Enfant adorée par les anges de Bruxelles.
Avec Elliot Adam (Université de Lille), Véronique Bücken (musées royaux des Beaux-Arts de Belgique), Myriam Eveno (C2RMF) et Dominique Martos-Levif (C2RMF), modération assurée par Sophie Caron (musée du Louvre)

11h30 Pause

11h45 Table ronde. Le format du triptyque et son encadrement à l’antique
Parmi les thèmes abordés, le format et les modèles de composition des volets recoupés, le répertoire sculpté et la polychromie du cadre original du panneau central, sa relation avec les encadrements enluminés dans les manuscrits vers 1500.
Avec Sophie Caron (musée du Louvre), Pascale Charron (Université de Tours) et Daniele Rivoletti (Université Clermont-Auvergne), modération assurée par Dominique Martos-Levif (C2RMF)

13h00 Déjeuner

14h00 Table ronde. Les revers en grisaille et le rôle du dessin : une œuvre inachevée  ?
Parmi les thèmes abordés, la caractérisation du dessin sous-jacent et ses variations, la mise en œuvre des revers, leur changement de parti et leur inachèvement, le modèle du retable de Gand, la tradition picturale des grisailles et leur relation avec le goût du dessin.
Avec Elliot Adam (Université de Lille), Philippe Lorentz (Sorbonne Université) et Dominique Martos-Levif (C2RMF), modération assurée par Sophie Caron (musée du Louvre).

15h15 Pause

15h30 Table ronde. Un retable pour le maître-autel de la collégiale des Bourbons
Parmi les thèmes abordés, la commande du triptyque par les ducs de Bourbon à la lumière de leur croyance en l’Immaculée Conception, la localisation de l’œuvre dans la collégiale de Moulins, la relation des anges de l’Annonciation avec le contexte liturgique du triptyque.
Avec  Elliot Adam (Université de Lille), Olivier Mattéoni (Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne), Antoine Robin (École pratique des Hautes études), modération assurée par Philippe Lorentz (Sorbonne Université).

16h45Fin des échanges à l’INHA et départ pour le musée du Louvre

17h15-19h00. Conclusions de la journée autour du triptyque de Moulins au musée du Louvre

Source : INHA

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Offre d’emploi – Lecturer in Medieval History (King’s College London)

About Us

The Department of History at King’s College London is one of the largest and most dynamic centres for historical research and teaching in the UK. Our undergraduate curriculum introduces students to world history from the early medieval period to the present; it then offers students pathways to study every continent through their second and final years. Our MA provision is similarly broad, developing students’ expertise in medieval, early modern and modern history. We are an intellectual home for scholars of every region of the world, who use approaches which range from local micro-histories to large-scale quantitative analysis. We particularly value conversation between scholars of different periods and places, with different approaches.

About the role

The Faculty of Arts & Humanities wishes to appoint a Lecturer in Medieval History to cover leave in the academic year 2026–27. Located in the Department of History, the purpose of this role is to provide teaching and research in Medieval History. The expertise of the postholder should include early Islamic history. The postholder will be expected to offer teaching on the following second-year undergraduate modules:

  • The First Islamic State
  • After Rome: Western Europe, Byzantium, Islam

In addition, they would be expected to contribute to the teaching of our first year undergraduate ‘Historical Skills, Sources and Approaches’ module, as well as other survey and team-aught modules as appropriate. The postholder may also be asked to contribute to the core module of the MA Medieval Studies, and supervise MA and BA dissertations, act as personal tutor, and undertake administrative duties as required.

This is a full-time post (35 hours per week) starting on 1 September 2026. This is a fixed-term post: the successful candidate will be offered a 12-month contract.

We reserve the right to close adverts early due to the volume of applications we receive. While the closing date may change, all adverts will close at 23:59 to allow sufficient time for applications to be submitted on that day.

About You

To be successful in this role, we are looking for candidates to have the following skills and experience:

Essential criteria

  1. PhD qualified in relevant subject area
  2. Expertise in medieval world history, specifically early Islamic history
  3. Excellent research track record, relative to career stage
  4. Ability to teach, convene and assess undergraduate modules on ‘The First Islamic State’ and ‘After Rome: Western Europe, Byzantium, Islam’
  5. Undergraduate Teaching experience relevant to the role
  6. Ability to engage students, support their learning and wellbeing through their degree 
  7. Some experience of effective and diligent academic administration and/or external networking (including, where appropriate, the engagement of non-academic audiences)
  8. Evidence of a collaborative ethos, capacity for team-working and enthusiasm for engaging with other colleagues 

Closes : 17th April 2026

Source : Jobs.ac.uk

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