Mittelalterliche und frühneuzeitliche urbane Siedlungen stellten in den meisten Fällen in sich deutlich differenziertere und vielschichtigere Gebilde dar, als der Einheit suggerierende Begriff der „Stadt“ auf den ersten Blick vermuten lässt. Diese ebenso grundlegende wie weitreichende Erkenntnis fand ihren Niederschlag bereits seit den 1960er Jahren in zahlreichen Untersuchungen zu suburbanen Siedlungsformen wie der Altstadt, der Neustadt oder den Vorstädten. Dabei konzentrierte sich die Diskussion allerdings meist auf die topographischen Entwicklungsstufen einer prinzipiell als Gesamtheit gedachten Stadt. Der „Mythos der städtischen Einheit“ (Franz-Josef Arlinghaus) verdeckte lange Zeit den Blick für die rechtliche, politische, administrative oder soziale Zersplitterung zahlreicher vormoderner Städte. Erst in den letzten Jahren gerieten Sondergemeinden und Sonderbezirke, wie sie in besonderen Ausmaß etwa in Bamberg, Braunschweig oder Köln anzutreffen sind, verstärkt in den Fokus der Stadtgeschichtsforschung.
Das Phänomen der ‚fragmentierten Stadt‘ ist jedoch nicht auf die genannten Einzelfälle beschränkt, sondern findet sich in vielen Facetten und an zahlreichen Orten wieder. Wir möchten daher im Workshop von einem weiter gefassten Ansatz ausgehen und nach den Auswirkungen unterschiedlicher räumlicher, administrativer, herrschaftlicher, rechtlicher, religiöser oder sozialer Abgrenzungen oder Unterteilungen der Stadt fragen. Dies können zum Beispiel Herrschafts- und Gerichtsbezirke, geistliche Immunitäten, Pfarrbezirke, Vororte, Stadtteilgemeinden, Nachbarschaften oder Korporationen sein – wobei die Liste damit keinesfalls als abgeschlossen gelten darf. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie Bezugs- und Zugehörigkeitssysteme darstellen, die neben-, inner oder in manchen Fällen vielleicht sogar außerhalb der gesamtstädtischen Gemeinschaft existierten. Mögliche Fragen, die im Workshop diskutiert werden können, sind etwa: Wie beeinflussten die genannten Unterteilungen und Zugehörigkeiten die Entwicklung und Struktur einer Stadt? Welche Strategien der Integration oder Abgrenzung lassen sich erkennen? Wie wird Einheit oder Abgrenzung dargestellt und inszeniert? Wann, wie und in welchem Maße entstand aus einem Konglomerat einzelner Siedlungsbezirke eine Form städtischer Einheit?
Im Rahmen des Workshops sollen (Nachwuchs-)Forscherinnen und Forscher Gelegenheit erhalten, ihre Überlegungen zu diesen oder ähnlichen Fragen in einem maximal 25-minütigen Vortrag zu präsentieren. Gemeinsam wollen wir dann eine Annäherung an das Phänomen der „fragmentierten“ Stadt versuchen. Beiträge aus dem Bereich der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadtgeschichte sind dabei ebenso willkommen wie Beiträge aus der Kunstgeschichte, Geographie, Archäologie oder anderer Nachbarwissenschaften. Die Veranstaltung ist als 2-tägiger Workshop mit insgesamt 8 Vorträgen konzipiert.
Bewerbung: mit einem kurzen Abstract (ca. 300 Wörter) bis zum 31. Januar 2014.
Abstracts und Rückfragen an: Christian Chandon (christian.chandon@uni-bamberg.de) oder Claudia Esch (claudia.esch@uni-bamberg.de)
Informations pratiques :
Veranstalter: Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte unter Einbeziehung der Landesgeschichte, Universität Bamberg
Datum, Ort: 02.10.2014-03.10.2014, Bamberg
Deadline: 31.01.2014
Kontakt:
Claudia Esch
Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte
Am Kranen 10, 96052 Bamberg
Claudia.esch@uni-bamberg.de
Source de l’information : H-Soz-u-Kult





