Colloque – Konflikt und Wandel um 1100. Europa im Zeitalter von mutation féodale und Investiturstreit

Die Jahrzehnte um 1100 waren ein Zeitalter schwerer Konflikte: Bürgerkriege und andere kleinere und größere Kriege, Rebellionen, Aufstände, Schismen, aber auch heftigste ideologische Auseinandersetzungen prägten die Zeit und waren untereinander in vielfältiger Weise verbunden. In der Forschung werden diese Konflikte – ob als Ursache, Folge oder Symptom – im Zusammenhang mit grundlegenden, epochalen Umwälzungen gesehen. Diese werden in der Forschung zu Frankreich traditionellerweise kontrovers unter dem Stichwort „mutation féodale“ diskutiert und letztlich auf herrschaftliche Fragmentierungsprozesse zurückgeführt. In der Forschung über das Reich erscheinen die zahlreichen Konflikte der Zeit dagegen üblicherweise als Folge und Begleiterscheinung des epochalen Konflikts zwischen imperium und sacerdotium bzw. des (sogenannten) Investiturstreits. Zu diesen Deutungsschemata tritt in der Forschung zu Italien noch die Entstehung der Kommunen; hier gilt der Bedeutungsgewinn der Städte als entscheidendes Merkmal des Epochenwandels.

Die Tagung setzt sich zum Ziel, die Deutungen dieser Wendeepoche im europäischen Vergleich nebeneinanderzustellen, aber auch zu überprüfen. Damit soll ein neues Verständnis der Epoche um 1100 und insbesondere der hohen Konfliktdichte und -intensität dieser Zeit erreicht werden.

Darüber hinaus sollen am Beispiel der Konflikte der Jahrzehnte um 1100 Deutungsmodelle der unterschiedlichen Zweige der mediävistischen Konfliktforschung überprüft und weiterentwickelt werden. Im Zentrum stehen Beispiele aus drei Untersuchungsregionen in Deutschland, Frankreich und Italien, nämlich Schwaben, dem Westen Frankreichs und der Lombardei aber auch Beiträge zur Historiographie dieser Regionen sind vorgesehen.

Tagungssprachen sind Deutsch, Englisch und Französisch, Italienisch; eine zeitnahe Publikation der Beiträge ist geplant.

Programme :

Donnerstag, 30. Oktober

14.00 Uhr : Steffen Patzold (Tübingen) – Einführung

14.15 Uhr : Claudia Zey (Zürich) – Der Investiturstreit als universales Erklärungsmodell – eine Bestandsaufnahme
15.15 Uhr : Christof Paulus (München) – Omnes sumus geminati – Investiturstreit im Bistum Augsburg
16.45 Uhr : Tobie Walther (Hamburg) – Der „Oberrhein“ im Investiturstreit bis ca. 1100: Konflikte, Annäherungen und Friedenslösungen
17.45 Uhr : Roland Zingg (Zürich)Annales Sangallenses deperditi sive Historia imperatorum Germaniae – eine bisher unedierte kaiserfreundliche Chronik aus dem Bodenseeraum

Freitag, 31. Oktober

9.15 Uhr : Denis Drumm (Tübingen) – Geschichtsschreibung als Reaktion auf bedrohte Ordnungen – Das Hirsauer Geschichtsbild zu Beginn des 12. Jahrhunderts
10.45 Uhr : Charles West (Sheffield) – At the margins of the Investiturstreit? Lotharingian politics between the local and the global around 1100
13.30 Uhr : Jean-Hervé Foulon (Aix-en-Provence) – Les accessions abbatiales en Normandie autour des années 1100: une question complexe entre monde féodal, changements liturgiques et investitures
14.30 Uhr : Thomas Kohl (Tübingen) – Exkommunikation und Herrschaft im Reich und in Frankreich
16.00 Uhr : Nicolangelo D’Acunto (Mailand) – Crisi dei sistemi a vocazione universalistica e localizzazione del potere tra conflitti e processi di ricomposizione in Italia
17.00 Uhr : Alessio Fiore (Turin) – Changing strategies of the imperial power in the kingdom of Italy (1080–1125)

Samstag, 1. November

9.15 Uhr : Christoph Dartmann (Münster) – „me acolitum oppressum et expoliatum“ – Landulf Iunior erzählt seine Geschichte
10.15 Uhr : Katrin Getschmann (Tübingen) – „Monachos ob reformandam religionem in eandem ecclesiam introduxit“ – Piacenza am Beginn des 12. Jahrhunderts
11.45 Uhr : Ludger Körntgen (Mainz) – Kommentar
12.15 Uhr : Diskussion

Informations pratiques :
Veranstalter: SFB 923 „Bedrohte Ordnungen“, Teilprojekt A01
Datum, Ort: 30.10.2014–01.11.2014, Tübingen, Tübingen, Alte Aula, Festsaal
Deadline: 24.10.2014

Kontakt: Katrin Getschmann
SFB 923 « Bedrohte Ordnungen »
Keplerstraße 2, 72074 Tübingen
katrin.getschmann@uni-tuebingen.de

Source de l’information : H-Soz-u-Kult

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Réseau des médiévistes belges de langue française
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