Colloque – Die Ritualisierung des Scheiterns. Die rituelle Stiftung einer memoria damnata der Besiegten in der antiken und mittelalterlichen Textrezeption

Bergische Universität Wuppertal, Campus Grifflenberg, O.07.24
21-229.09.2023
E-Mail: massetti@uni-wuppertal.de

Dem tragischen Schicksal der Besiegten wurde bereits in der altrömischen Historiographie besondere Aufmerksamkeit geschenkt. In der jüngeren Geschichtsforschung hat jedoch die Reflexion über die „Verlierer der Geschichte“ eine neue theoretische und methodologische Dimension gewonnen. Das Verlierertum wird dabei immer mehr als ein Ergebnis „konstruktiver Leistungen“ thematisiert, wobei besonderes Gewicht auf die rhetorischen Legitimierungs- und Delegitimierungsstrategien auf der memorialpolitischen Ebene gelegt wird.

Der materielle Sieg und die Konstruktion der memoria durch die Sieger müssen jedoch nicht unbedingt zeitlich oder konzeptuell unterschiedlichen Ebenen zugeordnet werden. Das ist deutlich der Fall bei den öffentlich inszenierten Ritualen, mit denen die Sieger ihren Triumph in der Öffentlichkeit zu demonstrieren suchten. Eine solche “Ritualisierung des Scheiterns”, die bis zur öffentlichen Leichenschändung reichen konnte, stellte im Kontext vieler vormoderner Konflikte sowohl den Akt der endgültigen Durchsetzung der Sieger als auch den maßgeblichen Ausgangspunkt für die Konstruktion einer kollektiven Negativerinnerung der Gescheiterten dar.

Angesichts des Facettenreichtums dieses historischen Phänomens und seiner Relevanz für die Erforschung der „Verlierer der Geschichte“ scheint es daher mehr als notwendig, eine der „Ritualisierung des Scheiterns“ gewidmete Tagung abzuhalten, die sich nicht nur mit zeit- und ortsspezifischen Formen befasst, sondern auch epochenübergreifende Kontinuitätslinien, sowie erkennbare politisch-kulturelle Einflüsse im europäischen Raum von der römischen Zeit bis zum Spätmittelalter in den Blick nimmt.

Donnerstag, 21. September 2023

14.00 Uhr
Jochen JOHRENDT (Bergische Universität Wuppertal): Begrüßung

14.15 Uhr
Francesco MASSETTI (Bergische Universität Wuppertal): Einleitung

I. Sitzung: Altes und Neues Rom
Moderation: Thorsten BEIGEL

15.00 Uhr
Marian NEBELIN (TU Chemnitz): Sulla, Caesar, Augustus und die Besiegten

15.45 Uhr
Kaffeepause

16.00 Uhr
Sabine LEFEBVRE (Université de Bourgogne): Le souvenir de Commode: pratiques d’abolitio memoriae et de réhabilitation

16.45 Uhr
Hartmut LEPPIN (Goethe-Universität Frankfurt): Der Tod des Kaisers Mauricius und die Heiligung eines Gescheiterten

17.30 Uhr
Kaffeepause

II. Sitzung: Regnum und Sacerdotium im Frühmittelalter
Moderation: Vera EITENEUER

17.45 Uhr
Florian HARTMANN (RWTH Aachen): Pippins Brüder: Zur nachhaltigen Marginalisierung Karlmanns und Grifos

18.30 Uhr
Philipp FREY (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel): Bestrafungsprozesse Aufständischer im karolingischen Frankenreich bis 834 – Vorabend oder Dämmerung von Ritualen?

Freitag, 22. September 2023

09.00 Uhr
Gerald SCHWEDLER (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel): Gescheitertes Wissen. Rituelle Formen der Falsifikation, Annihilation und De-Memorierung am Beispiel frühmittelalterlicher Konzilien

III. Sitzung: Das mittelalterliche Papsttum
Moderation: Jessika NOWAK

09.45 Uhr
Sabrina BLANK (RWTH Aachen): Damnatio memoriae oder Damnatio in memoria? Die causa formosiana in den historiographischen und konziliaren Quellen

10.30 Uhr
Kaffeepause

10.45 Uhr
Harald MÜLLER (RWTH Aachen): Verschweigen, vernichten, überschreiben. Formen und Reichweiten der Steuerung von Erinnerung im Kontext des umstrittenen Papstamtes

11.30 Uhr
Nicolangelo D’ACUNTO (Università Cattolica del Sacro Cuore): Dimenticare Guiberto. La memoria dannata di un papa

12.15 Uhr
Abschlussdiskussion

Source : H-Soz-Kult

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