RWTH Aachen University, Historisches Institut, Lehrstuhl für Mittlere Geschichte (Prof. Dr. Harald Müller)
29.11.2023 – 01.12.2023
Die raumgreifende Durchsetzung des päpstlichen Führungsanspruchs im Hochmittelalter ging mit einem vielschichtigen Interaktionsprozess einher, bei dem das Papsttum zunächst eine überwiegend reaktive Rolle einnahm. Außerhalb von Rom trat es vor allem dank der immer zahlreicher werdenden Anfragen an den apostolischen Stuhl verstärkt in Erscheinung und erhielt dadurch die Möglichkeit, seinem Autoritätsanspruch auf vielfältige Weise Geltung zu verleihen. In Anbetracht des grundlegend wechselseitigen Charakters dieser Entwicklung ist einerseits danach zu fragen, welche Faktoren eine Hinwendung an den apostolischen Stuhl begünstigen konnten, und andererseits, welche Folgen sich aus den Interaktionen mit dem Papsttum und seinen Stellvertretern für die Stellung der beteiligten Akteure innerhalb ihrer jeweiligen regionalen Beziehungsgeflechte ergaben, bzw. ob diese Interaktionen überhaupt eine prägende Wirkung in den Impulsregionen zeitigte. Durch die Einbeziehung sowohl zentraleuropäischer Kernlandschaften wie peripherer Regionen des päpstlichen Einflussbereichs verfolgt die Tagung das Ziel, nicht nur eine möglichst differenzierte Sichtweise auf diese Entwicklung zu eröffnen, sondern auch den Beitrag des Papsttums zur Formierung des hochmittelalterlichen Europas genauer zu fassen.
Die Tagung wird veranstaltet im Rahmen des deutsch-luxemburgischen DFG-FNR Projekts „Lotharingien und das Papsttum. Interaktions-, Integrations- und Transformationsprozesse im Spannungsfeld zwischen zentraler Steuerung und regionaler Eigendynamik (11. – Anfang 13. Jahrhundert). Die Teilnahme an der Tagung ist kostenlos. Um Anmeldungen wird bis zum 20. November 2023 gebeten. Richten Sie diese bitte an Robin Moens (moens@histinst.rwth-aachen.de).
Programme :
MITTWOCH, 29. November 2023
14.00 Uhr: Harald Müller (Aachen) und Michel Margue (Luxemburg): Begrüßung
14.15 Uhr: Harald Müller (Aachen): Einführung
SEKTION I: KATHEDRALSTÄDTE ALS KRISTALLISATIONSPUNKTE DER ROMKONTAKTE
Moderation: Klaus Herbers (Erlangen)
14.45 Uhr: Robin Moens (Aachen, Namur): ‚Bürgerpäpste‘? Der apostolische Stuhl als Fluchtpunkt städtischer Akteure in Lüttich und Metz im 12. Jahrhundert
15.15 Uhr: Johannes Luther (Zürich): Burgundische Beziehungskrisen. Die Kathedralstädte Lausanne, Genf und Sitten zwischen Rom und dem Reich
15.45 Uhr: Diskussion
18.00 Uhr: Öffentliche Abendveranstaltung mit Impulsvorträgen und anschließender Diskussion im Saal der Aachener Musikhochschule
Moderation: Daniela Blum (Aachen)
Jochen Johrendt (Wuppertal): Zentrum und Peripherie in der mittelalterlichen Kirchengeschichte. Zur Profilierung eines Forschungsparadigmas
Hans-Jörg Sigwart (Aachen): Zentrum und Region aus der Perspektive moderner Politikwissenschaft
DONNERSTAG, 30. November 2023
09.00 Uhr: Philipp Wollmann (München): « Et Augustensis ecclesia est scismatica ». Das Bistum Augsburg zwischen staufisch-welfischen Einflüssen und päpstlichem Schutz und Schirm im 12. Jahrhundert
09.30 Uhr: Stéphane Gioanni (Lyon): La « libertas » dalmato-croate dans la communication pontificale de Grégoire VII à Innocent III
10.00 Uhr: Diskussion mit anschließender Kaffeepause
SEKTION II: ‚CORPORATE IDENTITY‘ ODER REGIONALE VIELFALT? PAPSTTUM UND ORDEN IN DER INTERAKTION
Moderation: Werner Maleczek (Wien)
11.00 Uhr: Hannes Engl (Aachen): Pragmatische Orientierungen. Die Zisterzienser und Prämonstratenser in Lotharingien im Alexandrinischen Schisma (1159–1177)
11.30 Uhr: Daniel Berger (Göttingen): Das Papsttum und die Niederlassungen ‚neuer‘ Orden in Kastilien (und angrenzenden Gebieten) im 12. Jahrhundert
12.00 Uhr: Diskussion mit anschließendem Mittagsimbiss am Tagungsort
14.00 Uhr: Timothy Salemme (Luxemburg): Les cisterciens et la formation de l’exemption entre Milan et Pavie (XIIe – début du XIIIe siècle)
14.30 Uhr: Stefan Petersen (München): Papsturkunden als Waffe. Instrumentalisierung des Papsttums in den Auseinandersetzungen zwischen Prémontré und der Sächsischen Zirkarie
15.00 Uhr: Diskussion mit anschließender Kaffeepause
SEKTION III: DAS PAPSTTUM ALS BEZUGSPUNKT UND INTERAKTIONSPARTNER FÜR LAIENFÜRSTEN
Moderation: Jean-François Nieus (Namur)
16.00 Uhr: Michel Margue (Luxemburg): Eine neue Herrschaftstopographie? Der Rückgriff auf das Papsttum bei Klostergründungen durch Laien und die Rekonfigurierung der Herrschaftsstrukturen in Lotharingien (12. Jahrhundert)
16.30 Uhr: Nicolas Ruffini-Ronzani (Namur): Pouvoirs comtaux et autorité papale en France du Nord et dans l’Ouest de la Basse-Lotharingie (XIIe – début XIIIe siècle)
17.00 Uhr: Diskussion
FREITAG, 1. Dezember 2023
09.30 Uhr: Daniel Armstrong (Toronto): The Papacy and the « Alter Orbis »: Papal Relations with the Anglo-Norman Kings of England
10.00 Uhr: Iben Fonnesberg-Schmidt (Aalborg): Pope Innocent III (1198–1216) and the Northern Elites
10.30 Uhr: Diskussion mit anschließender Kaffeepause
11.15 Uhr: Rolf Große (Paris): Schlussbetrachtung
Schlussdiskussion
Abschließend Verabschiedung bei gemeinsamen Mittagsimbiss





