Die Erforschung mittelalterlicher Register haben länderspezifisch – etwa in Frankreich – sowie gesamteuropäisch in der Papsttumsforschung Tradition. Dabei haben sich verschiedene Ansätze in der Auswertung und Edition herausgebildet, die einerseits durch das Material und seine jeweiligen Kontexte, andererseits durch unterschiedliche Zugangsweisen in den einzelnen Ländern bedingt sind. Dies betrifft zum einen Editionen, wie die in Kürze abgeschlossene Edition der Kanzleiregister Innocenzʼ III., zum anderen Ausgaben und Studien zu Registern geistlicher und weltlicher Herrscher, zu solchen von Städten, Orden und anderen Gemeinschaften im Reich, Italien, Frankreich, England und der Iberia. Ziel der Tagung ist es, das mittelalterliche europäische Registerwesen durch die Zusammenführung verschiedener nationaler Forschungstraditionen und Disziplinen im Spannungsfeld von lokalen, regionalen und ‚globalen‘ Entwicklungen besser verstehen zu lernen und zugleich weitere interdisziplinäre Forschungen anzuregen.
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Verhältnis von Registerführung zur Ausbildung von institutionellen Strukturen und ihrem internen und nach außen sichtbar gemachten Selbstverständnis. Inwiefern liefern Register Anhaltspunkte für das „Gedächtnis“ der päpstlichen oder einer landesfürstlichen Kanzlei und der dahinterstehenden Institution? Welche Bedeutung haben sie für Städte und Ordensgemeinschaften? Sind sie Spiegel oder Konstituenten der Institutionalisierung von Wissen und Herrschaft, die dieses zur Voraussetzung hat? Welche überregionalen Einflüsse und Wechselwirkungen in Anlage, Verständnis und Nutzung von Registern lassen sich in Europa ausmachen? Und welchen Einfluss hat dies auf den Blick der Forschung und die Edition solcher Texte?
Ausgehend von diesen Fragen sollen in drei Sektionen – beginnend mit dem Phänomen der Papstregister und ihrer Edition als Fundgrube für gesamteuropäische Themen – vergleichend unterschiedliche Ausformungen des Registerwesens beleuchtet und abschließend die Potentiale für andere Disziplinen jenseits der Geschichtswissenschaft ausgelotet werden.
Programme :
Mittwoch, 11.12.2024
Sektion I: Papstregister als Quelle und Editionsgegenstand
Jochen Johrendt/ Aaron Schwarz (Wuppertal): Einleitung
Werner Maleczek (Wien): Die Kanzleiregister Honorius’ III. Eine Annäherung
Rainer Murauer (Rom): Papstregister und Kanonistik: Erfahrungen und Perspektiven für die Edition der Register Honorius’ III.
Isabella Aurora (Vatikanstadt): Il Censimento Bartoloni – I registri papali nella prospettiva della tradizione originale
Matthias Thumser (Berlin): Neben der Spur? Vom Thronstreitregister Innocenz ’ III. bis zum Spezialregister Clemens’ IV.
Barbara Bombi (Canterbury): Registration and authority : The register of the anti-pope Peter of Corbario / Nicholas V (Reg. Vat . 118 / 118A)
Maria Magdalena Rückert (Ludwigsburg): Der Papst und die Frauen Register der Kurie als Quellen für weibliches monastisches Leben
Donnerstag, 12.12.2024
Iben Fonnesberg-Schmidt (Aalborg): The papal registers and the Early Baltic Crusades
Caterina Cappuccio (Rom): Die päpstliche Kapelle im 13. Jahrhundert anhand der päpstlichen Register. Ein Überblick
Jörg Voigt (Hannover): Spätmittelalterliche Papstregister als Fundgrube (und Aufgabe) Erfahrungen aus der Arbeit am Repertorium Germanicum
Sektion II: Mittelalterliche Registertraditionen in europäischer Perspektive
Roman Zehetmayer (St. Pölten): Zur Funktion von Traditionsbüchern
Christian Lackner (Wien): Prekäre Verwaltungspraxis? Die habsburgischen Kanzleiregister in der 2. Hälfte des 14. und zu Anfang des 15. Jahrhunderts
Pietro Silanos/Nicola Gadaleta (Bari): Contributo alla ricostruzione dei Registri Angioni: il fondo manoscritto di Eustachio Rogadeo
Riccardo Parmeggiani (Bologna): I registri nei comuni dellʼItalia settentrionale : lʼesempio di Bologna
Sebastian Roebert (Leipzig): Register überall? Zur Überlieferung und Praxis der Registerführung auf der Iberischen Halbinsel
Andreas Zajic (Wien): Quod non est in registris, non est in mundo. Oder: Welche Informationen dürfen wir in den Reichs bzw. Hofkanzleiregistern des 15. Jahrhunderts erwarten?
Aaron Schwarz (Wuppertal): Register an der Peripherie? Das Neumärkische Landbuch
David d’Avray (Oxford): Registrierung: Päpstliche und englische königliche Regierung im Vergleich
Freitag, 13.12.2024
Kristjan Toomaspoeg (Lecce): Registerführung im Deutschen Orden und Johanniterorden
Rolf Große (Paris): Französische Chartulare Formen und Funktionen
Sektion III: Register und ihre Edition aus der Perspektive anderer Disziplinen
Andrea Riedl (Regensburg): Papst und Mendikanten. Theologische Einordnungen der Papstregister als Quelle dominikanischer Geschichte
Marco Rainini (Mailand): La teologia in curia: osservazioni attraverso i registri papali fra Innocenzo III e Gregorio IX
Anja Grebe (Krems): Ordnung durch Bilder. Die Initiale als Gliederungselement im Kontext pragmatischer Schriftlichkeit und künstlerischem Anspruch
Informations pratiques :
Bergische Universität Wuppertal, Bergisches Zimmer Gebäude ME 02.30, Gaußstraße 20
11.12.2024 – 13.12.2024
Bei Interesse wird um Anmeldung bis zum 30.11.2024 unter folgender Adresse gebeten: honorius@uni-wuppertal.de
Aaron Schwarz
Bergische Universität Wuppertal, GRK 2196 „Dokument – Text – Edition“
Gaußstr. 20, 42119 Wuppertal
honorius@uni-wuppertal.de
aaschwarz@uni-wuppertal.de
Source : H-Soz-Kult







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