Körpergeschichte ist aktueller denn je: Jüngste Debatten etwa um die Gesundheit von Kandidatinnen und Kandidaten bei US-Präsidentschaftswahlen zeigen eindrucksvoll, wie sehr körperliche Erscheinung, Vitalität und Gesundheit bis heute politische Settings beeinflussen. Dabei handelt es sich keineswegs um ein rein modernes Phänomen. Schon in vormodernen Gesellschaften spielte die körperliche Konstitution von Herrschenden eine zentrale Rolle für die Legitimation, Repräsentation und Performanz politischer Macht. In mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Monarchien galten spezifische Erwartungen an die physischen Voraussetzungen von Herrscherinnen und Herrschern, um politische Ordnungen zu stabilisieren oder dynastische Kontinuität zu sichern.
Die Tagung widmet sich der Frage, wie sich Körper in politischen Kontexten methodisch und historisch erfassen lassen. Wie sichtbar oder unsichtbar ist der „bloße“ Körper hinter der Fassade von Inszenierung, Ritual und Symbolik? Welche Rückwirkungen entfalten politische Räume, Institutionen und Techniken der Herrschaft auf die Körper der Regierenden – und umgekehrt? Und lassen sich spezifische Transformationen in der Beziehung zwischen Körper und Herrschaft im Übergang von Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit erkennen?
Eingeladen sind Referentinnen und Referenten, die sich aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven mit Körperlichkeit im Kontext von Herrschaft befassen – sei es im Rahmen dynastischer Systeme, medizinhistorischer Fragestellungen, individueller Herrscherbiografien oder im Hinblick auf vergleichende, epochen- oder raumübergreifende Ansätze.
Programme :
Donnerstag, 11. September 2025
17.15 Anja Rathmann-Lutz und Benjamin Steiner
Begrüßung und Einführung in die Tagung
18.00 Abendvortrag
Barbara Stollberg-Rilinger (Berlin, Geschichte): Körper von Bedeutung
Empfang
Freitag, 12. September 2025
9.00–12.00 Panel 1 «Physikalität»
Moderation: Markus Meumann (Gotha)
Maria Hauber (München, Geschichte): «Er hatt in vx wochen nich bey mir geleygen, Nu schelt er mich umer». Sexualität als Druckmittel im sächsischen Hochadel
Anne Greule (Göttingen, Geschichte): Adlige Athleten: Leibesübungen im Frühmittelalter
Kaffeepause
Elena Taddei (Innsbruck, Geschichte): Verletzt, krank, geschunden: Herrschende Körper an oberitalienischen Höfen des 16. und 17. Jahrhunderts
12.00–13.30 Mittagspause
(13.30–14.45: Tagungsgruppe: Führung im Schloss, Treffpunkt Arkaden)
15.00–18.00 Panel 2 «Settings»
Moderation: Rike Szill (Tübingen)
Eva Seemann (Paris, Geschichte) [online]: Der Herrscher und sein „Hofzwerg“. Überlegungen über Größenverhältnisse im Raum
Anna Kollatz (Heidelberg, Islamwissenschaften): Herrscherkörper, Himmelskörper: Der Tageskreis Shah Jahans in Qazvinis Padshahnama
Kaffeepause
Karoline Noack (Bonn, Altamerikanistik/Ethnologie): „Ser yacha“ – Verkörperung von Weisheit, landwirtschaftlichem Wissen und Eroberung am Beispiel des Inka-Herrschers Huayna Capac im Cochabamba-Tal (Bolivien)
Samstag, 13. September 2025
9.00-10.40 Panel 3 «Performanz und Repräsentation»
Moderation: Benjamin Steiner
Hanna Walsdorf (Basel, Musikwissenschaften): Die vier Körper des Königs
Melinda Michel (Bonn, Mediävistik): Ein Kurfürst schreibt Medizin – Der Fürst als Medicus? Entstehung und Rezeption der vier Medizinbände Johanns von Sachsen
Kaffeepause
11.00–14.00 Panel 4 «Kontinuitäten»
Moderation: Susanne Rau
Anja Rathmann-Lutz (Basel, Geschichte/Kunstgeschichte): Körper und Herrschaft im Raum
Anna Becker (Aarhus, Geschichte/Philosophie): Kantorowicz und das Geschlecht des verkörperten Staates
Stehlunch
Benjamin Steiner (Gotha/Erfurt, Geschichte): Vormoderne Körper, moderner Staat? Transformation und Kontinuität der Herrschaftslegitimation
14.15 Schlussdiskussion
Moderation: Anja Rathmann-Lutz und Benjamin Steiner
Kontakt
Benjamin Steiner
Schloßberg 2
99867 Gotha
benjamin.steiner@uni-erfurt.de
Source : H-Soz-Kult





