Colloque – Über Stoff und Stein: Knotenpunkte von Textilkunst und Epigraphik

Materialität ist ein wesentlicher Faktor für die Herstellung von Inschriften und Textilien. Einerseits haben Darstellungen von Gewändern und Stoffen auf Stein in der Textilforschung bislang kaum Berücksichtigung gefunden, obwohl ihre feste Datierung und Standortbezogenheit die Chronologie, Lokalisierung und soziokulturelle Zuordnung modischer Entwicklungen erleichtern. Andererseits sind Inschriften auf Textilien im Bereich der Epigraphik nur ein Randgebiet, obwohl gerade hier Material und technische Ausführung für die Schriftgestaltung von großer Bedeutung sind. Zudem sind textile Schriften oft die Avantgarde epigraphischer Schriftentwicklung. Dies zu zeigen ist Ziel der interdisziplinär angelegten Tagung, die Textilien im epigraphischen Kontext in den Mittelpunkt stellt. Trotz anhaltenden Interesses an der Gesamtheit materieller Kultur und ihrer sozialen Zusammenhänge blieb dieser Themenkomplex in seiner Vielfalt bisher weitgehend unberücksichtigt. Die Tagung wird mit den Bereichen Textilien in Inschriftendenkmälern, Schrift auf Textilien sowie textile Inschriften in Schriftzeugnissen drei wesentliche Aspekte für das Mittelalter und die frühe Neuzeit aufgreifen. Um den Einfluss der unterschiedlichen textilen Techniken auf die Buchstabengestaltung im direkten Austausch von Theorie und Praxis zu untersuchen, werden nicht nur ausgewiesene Expert(inn)en aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen die Themen beleuchten: Kunsthandwerkerinnen werden verschiedene Techniken zur Herstellung textiler Inschriften live demonstrieren. Ergänzend wird durch Ausstellungen der Kooperationspartner während der Tagung die Möglichkeit geschaffen, reale Objekte direkt vor Ort zu sehen und am Objekt zu diskutieren, wodurch bestimmte Fragestellungen vertieft werden können. Zur Dokumentation der Ergebnisse ist im Anschluss die Publikation der Vorträge und Diskussionsbeiträge in einem Tagungsband geplant.

img708

Programme :

Mittwoch, 12.2.2020

9:00 Uhr

Grußworte (Thomas O. Höllmann, Präsident der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München)
Über Stoff und Stein: Knotenpunkte zwischen Textilkunst und Epigraphik (Tanja Kohwagner-Nikolai / Christine Steininger)
10:30 Uhr – Kaffepause

11:00 Uhr

Vom Schleier zur Visierhaube – Städtische Frauenkopfbedeckungen in Süddeutschland während des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit (Johannes Pietsch)
„bey dem Rökhle erwischt“. Süddeutsche Objekte aus epigraphischem Kontext als Quelle für Kinderkleidung? (Ramona Baltolu)
12:30 Uhr – Mittagspause

14:00 Uhr

Textilpräsentation (Arttextil Dachau)
Posterpräsentation
Ausstellung des Diözesanmuseums Freising (Carmen Roll)
15:30 Uhr – Kaffeepause

16:00 Uhr

Samt mit gewebten Inschriften (Michael Peter)
Sigismund Meisterlins „Epistola de tapecijs antiquis in monasterio Morbacensi“ (1464). Bildteppiche als historische Beglaubigungsmedien im 15. Jh. (Hanns Hubach)
17:30 Uhr – Kaffeepause

18:00 Uhr

About Inscriptions on Medieval and Early Renaissance Franco-Flemish Tapestries (Guy Delmarcel)
Der Teppich des Dr. Johannes Fuchsmagen in Heiligenkreuz (Martin Wagendorfer)

Donnerstag, 13.2.2020

9:00 Uhr

Dextera Domini. The Earliest Inscriptions on Liturgical Gloves (Estelle Ingrand-Varenne)
Handschuhe mit textilen Inschriften (Hannes Fahrnbauer)
10:30 Uhr – Kaffeepause

11:00 Uhr

Linens, Clothes and Ornaments: Writing on Altar Textiles (Vincent Debiais)
Sobre tela y sobre piedra: morfología y simbolismo de la escritura en tejidos hispanos medievales (María Encarnación Martín López)
12:30 Uhr – Mittagspause

14:00 Uhr

Textile Inscriptions in the Cathedral of Calahorra. An Approximation to its Use and Function (Irene Pereira García)
Arabic Inscriptions and their Imitations woven in Medieval Textiles from Polish Collections (Beate Biedrońska-Słota)
15:30 Uhr – Kaffeepause

16:00 Uhr

Wie eine politische Bewegung über textile Inschriften kommuniziert – Die Bewegung Cola di Rienzos und die Kommune Rom im Trecento (Julian Zimmermann)
Ornamentik und Bewegung – Gestalt und Wahrnehmung textiler Inschriften auf Gewändern in deutschsprachiger Literatur des Mittelalters (Almut Schneider)
Liebe oder dynastisches Statement? Inschriften auf süddeutschen Paarbildern der frühen Neuzeit (Kerstin Merkel)

Freitag, 14.2.2020

9:00 Uhr

Heinrich II. Sternnenmantel in Bamberg und seine beiden metrischen Inschriften (Clemens M. M. Bayer)
„Als Geschenk sticke ich dir ein Bild deiner Kreuzigung, Logos“. Byzantinische Inschriften auf Textilien: Form und Funktion (Andreas Rhoby)
10:30 Uhr – Kaffeepause

11:00 Uhr

Exkursion in die Residenz München (Sebastian Karnatz / Tanja Kohwagner-Nikolai / Christian Quaeitzsch)
12:30 Uhr – Mittagspause

14:00 Uhr

Memoria und Repräsentation – Trachten auf nachreformatorischen Epitaphien aus Schleswig-Holstein (Anna Lena Frank)
Fundator huius loci – Textilien im epigraphischen Kontext von Stiftergrabdenkmälern (Mirjam Goeth)
15:30 Uhr – Kaffeepause

16:00 Uhr

Habitus epigraphicus – Kleidung und Repräsentation im epigraphischen Kontext am Beispiel Siebenbürgens, 14.–17. Jh. (Ioan Albu)
Mittelalterliche Funeraltücher und ihre Inschriften (Vera Henkelmann)
Textilien mit Inschriften aus mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bischofsgräbern (Bernd Päffgen)

Informations pratiques :

12. Februar 2020 – 14. Februar 2020 | 09:00 Uhr
Bayerische Akademie der Wissenschaften
Alfons-Goppel-Straße 11
80539 München
Sitzungssäle, 1. Stock

Source : Bayerische Akademie der Wissenschaften

A propos RMBLF

Réseau des médiévistes belges de langue française
Cet article a été publié dans Conférences. Ajoutez ce permalien à vos favoris.