Colloque – Kirchenreform und Landesherrschaft im 15. Jahrhundert. Studien aus den Acta Cusana

Die Acta Cusana werden mit der Vollendung des zweiten Bandes im Jahre 2020 ein wichtiges Etappenziel erreicht haben. Zu diesem Anlass veranstaltet die Berliner Forschungsstelle ‚Acta Cusana‘ eine internationale Konferenz an der Humboldt-Universität in Berlin. Wichtigstes Ziel der Veranstaltung ist es, Möglichkeiten der wissenschaftlichen Auswertung des dann zur Verfügung stehenden Quellenmaterials zu diskutieren, Impulse für die fruchtbare Benutzung der neuen Editionsbände zu setzen und auf diesem Wege den Lebenskosmos des Cusanus umfassend zu erörtern.

Das von Erich Meuthen (1929-2018) und Hermann Hallauer (1926-2013) bereits in den 1950er Jahren begründete Projekt verfolgt eine detaillierte Dokumentation der Lebensgeschichte des bedeutenden Philosophen, Kardinals und Kirchenpolitikers Nikolaus von Kues und der ihn umfassenden politischen, intellektuellen und religiös-kirchlichen Lebenswelten des Spätmittelalters. Der im Jahre 2000 noch von Erich Meuthen vollendete Band I, der die frühen Lebensjahre des Nikolaus von Kues einschließlich seiner großen Legationsreise durch das Deutsche Reich (1451/52) umfasst, präsentiert durch seine weitverzweigte Überlieferung einen repräsentativen Querschnitt für nahezu alle Felder von Kirche, Reform, Diplomatie wie Frömmigkeitspraxis des Spätmittelalters. Die ab 2012 von Johannes Helmrath und Thomas Woelki herausgegebenen Faszikel des zweiten Bandes, der die Jahre der Bischofsherrschaft in Brixen (1452-1458) behandelt, bilden mit ihrer stärkeren Radizierung auf die Tiroler Welt ein singuläres Beispiel für die Feinstruktur eines spätmittelalterlichen Bistums, die Techniken und Probleme seiner Verwaltung, die oft konfliktreiche praktische Umsetzbarkeit tiefgreifender Reformen des christlichen Lebens und auf politischer Ebene das Ringen um das Überleben geistlicher Landesherrschaften in Konkurrenz mit mächtigen, dynastisch und territorial eng verflochtenen Akteuren, wie in diesem Fall dem Herzog von Österreich-Tirol.

Acta Cusana

Programme :

Donnerstag, 16. April 2020, Raum 2249a

14.00-14.30: Johannes Helmrath, Thomas Woelki: Begrüßung und Einführung

1. Sektion: Kirchenreform und Kirchenpolitik
Moderation: Johannes Helmrath

14.30-15.10: Enno Bünz (Leipzig) – Pastorale Visionen und die Kirchen vor Ort. Nikolaus von Kues, die Pfarreien und die Seelsorger im Bistum Brixen
15.10-15.50: Tillmann Lohse (Berlin) – Nikolaus von Kues und die Reform des Stifts Wilten
15.50-16.30: Tobias Daniels (München) – Brixen und Rom. Die Acta Cusana als Quelle für das Verhältnis von Kurie und Region
16.30-16.50: Pause

16.50-17.30: Giovanna Murano (Florenz) – Niccolò da Cusa, Giovanni Pico e il ms. Vat. lat. 4071
17.30-18.10: Marco Brösch (Trier), Der Bischof und seine Bücher. Studien zur Brixener Bibliothek des Nikolaus von Kues

Freitag, 17. April 2020, Raum 2249a

9.00-9.40: Walter Andreas Euler (Trier) – Die Bedeutung der Acta Cusana, Band II mit Blick auf die Brixener Predigten des Nikolaus von Kues.
9.40-10.20: Isabelle Mandrella (München) – Nicolaus Cusanus und Verena von Stuben: Neue Einsichten in ein spannungsreiches Verhältnis
10.20-10.40: Pause

2. Sektion: Landes- und Verfassungsgeschichte
Moderation: Matthias Thumser

10.40-11.20: Thomas Horst (Lissabon) – Das Bistum Brixen unter Bischof Ulrich Putsch (1427-1437) – einem Vorgänger des Cusanus: ständiges Ringen um die Tiroler Herrschaft im Vergleich
11.20-12.00: Clémence Revest (Paris) – Il predecessore dimenticato : il vescovo Johann Rötel e l’umanesimo italiano
12.00-13.30: Mittagspause

13.30-14.10: Felix Melching (Berlin) – Bemerkungen zu einigen wenig beachteten Briefen aus der Brixner Zeit des Nikolaus von Kues
14.10-14.50: Emmanuele Curzel (Trient) – Nicolò Cusano vescovo di Bressanone e il vescovo di Trento Georg Hack (1446-1465)
14.50-15.30: Erika Kustatscher (Bozen) – Mikropolitische Aspekte der Herrschaft des Nikolaus von Kues als geistlicher und weltlicher Fürst in Brixen
15.30-16.00: Pause

16.00-16.40: Thomas Woelki, Ein „Schuman-Plan“ avant la lettre? Die Vorschläge des Nikolaus von Kues zu einer integrativen Tiroler Landesherrschaft (1458)
16.40-17.20: Henrike Liv Vallentin (Berlin), Loyalität als Machtressource. Der Cusanus-Familiar Heinrich Pomert
17.20-18.00: Werner Maleczek (Wien) – Nikolaus von Kues als reisender Bischof von Brixen. Innerhalb und außerhalb seiner Diözese

Samstag, 18. April 2020, Raum 2249a

3. Sektion: Cusanus in der Kulturgeschichte
Moderation: Thomas Woelki

9.00-9.40: Johannes Helmrath (Berlin) – Gerüchte und Fake News im spätmittelalterlichen Tirol: Die „Wiltener Affäre“ und ihre mediale Resonanz
9.40-10.20: Kerstin Hitzbleck (Ahrensburg) – Conscientia – Dimensionen des Gewissens bei Nikolaus von Kues
10.20-10.40: Pause

10.40-11.20: Christian Jaser (Berlin) – Cusanus und die Tiere
11.20-12.00: Hans Gerhard Senger (Köln) – Die Brixener Jahre des Nikolaus von Kues in Roman, Drama und Erzählung
12.00-12.30: Johannes Helmrath, Thomas Woelki: Schlusswort

Informations pratiques :

Humboldt-Universität zu Berlin, Unter den Linden 6, 10099 Berlin, Raum 2249a

Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin, Arbeitsstelle ‚Acta Cusana‘

16.04.2020 – 18.04.2020

Kontakt : Thomas Woelki
Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Geschichtswissenschaften
Unter den Linden 6, D-10099 Berlin
030/2093-70637

woelkith@geschichte.hu-berlin.de

Source : H-Soz-Kult

A propos RMBLF

Réseau des médiévistes belges de langue française
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