Appel à contribution – Charlemagne : regards croisés franco-allemands sur une figure européenne / Karl der Große : Deutsch-französische Blicke auf eine europäische Figur

Karl der Große als europäische Figur

Der Workshop widmet sich jener Figur des euro- päischen Mittelalters, die wohl am tiefsten im kollektiven und kulturellen Gedächtnis Deutsch- lands, Frankreichs und der Benelux-Länder veran- kert ist: Carolus Magnus / Charlemagne / Karl der Große. Vom 8. Jahrhundert an wurde sie zum wirkmächtigen ‘Erinnerungsort’ mit kontinuierli- cher literarischer, ikonographischer, historiogra- phischer und politisch-publizistischer Präsenz diesseits und jenseits von Rhein, Maas und Mosel.

Am Umgang mit der Figur lassen sich grundle- gende Entwicklungen der deutsch-französischen, aber auch der europäischen Geschichte aufzei- gen. Im Mittelalter der Gründerahn und Verteidi- ger des christlichen Westens gegen den Islam schlechthin, wurde Karl seit der frühen Neuzeit zunehmend ‘nationalisiert’. Im ‘langen’ 1 9. Jahr- hundert versuchten deutsche und französische Historiker:innen, ihn für ihre ‘Sache’ gegen die je andere Seite zu vereinnahmen und nachhaltige ‘Karlsmythen’ zu erfinden, während das von Weltkriegen und ideologischen Exzessen trau- matisierte Europa nach 1 945 Karl als europäische Integrationsfigur begriff und aufbaute. Beide Interpretationsrichtungen sind modern, beruhen aber auf Missverständnissen und produktiven Umdeutungen, die oft weit in die Vormoderne zurückreichen. Sie haben eine lange Vorgeschich- te von regionalen, konfessionellen und hagio- graphischen Aneignungen, die schon im 9. Jahr- hundert einsetzen – mit mitunter durchaus berühmten Gewährstexten bis hinauf zu Einhards Karlsvita (um 840) und der französischen ‘Chan- son de Roland’ (um 1 1 00).

Forschungsatelier und Workshop

Der transdisziplinäre und transnationale Work- shop, der sich zugleich als Forschungsatelier ver- steht, richtet sich an Nachwuchswissenschaftler: innen. Er zielt auf eine Tiefenanalyse der Karls- figur im heutigen, postnationalen Europa. Der Mediävistik kommt hier eine wesentliche Rolle zu, weil sie fachlich in der Lage ist, auch das prä- nationale Erbe für das Europa der Gegenwart fruchtbar zu machen und eine Epoche ‘neu’ zu denken, die vor dem jahrhundertelangen krie- gerischen Ringen insbesondere Frankreichs und Deutschlands um die Vorherrschaft stärker von kulturellem Austausch und Kontakt geprägt war. Basis unserer Arbeit sind historische und literari- sche Quellen vom 9. Jahrhundert bis heute. Me- thodisches Kernanliegen ist der ‚gekreuzte Blick‘: Deutsch-französische und lateinische Texte wer- den in interkulturell-vergleichender deutsch-fran- zösischer Perspektive beleuchtet und komparatis- tisch in Bezug auf die darin vertretenen Karlsbil- der untersucht. Dieses Vorgehen schafft, so unse- re These, ein fundierteres Verständnis der Genese und Transformation nationaler Stereotype und auch nachnationaler Errungenschaften wie der deutsch-französischen Freundschaft und der europäischen Einigung. So wird ein durchaus eta- bliertes Thema aufgrund signifikanter Quellen (Texte, Bilder) zu Karl mit gegenwartsrelevanten Fragen ganz neu perspektiviert.

Diskussions- und Arbeitsformate

Keynotes und Impulsvorträge, Teamarbeit, inten- sive Lektüren und Diskussionen der Quellen.
Die Kosten für Reise, Unterkunft und Begleitpro- gramm werden von den Veranstalter:innen dank Förderung durch die DFH-UFA getragen.

Termine

Vorbereitungstreffen online
am 25.3. und 8.4.2024 Forschungsatelier und Workshop vom 1 3. bis 1 7.5.2024 in Strasbourg

Bewerbung

Erwartet wird die Bewerbung um Teilnahme mit einem aussagekräftigen Motivationsschreiben (max. eine Seite) bis 1 .1 .2024 und, bei Zusage, die Übernahme einer ‘Textpat:innenschaft’ mit Impulsreferat (5-7 min). Wichtig ist uns die (zu- mindest passive) Fremdsprachenkompetenz (Deutsch/Französisch, ggf. Überbrückung durch Englisch).

Informations pratiques :

Forschungsatelier und Workshop vom 1 3. bis 1 7.5.2024 in Strasbourg für Nachwuchswissenschaftler:innen

Organisation

Amelie Bendheim, Assistant Professor
Université du Luxembourg
Département Sciences humaines
Institut de langue et de littérature allemandes et d’interculturalité

Mathias Herweg, Univ.-Professor
Karlsruher Institut für Technologie
Institut für Germanistik
Department Mediävistik und Frühneuzeitforschung

Marie-Sophie Winter, MCF hdr. Université de Picardie Jules Verne
U.F.R. de Langues et Cultures Étrangères Département d’allemand

About RMBLF

Réseau des médiévistes belges de langue française
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