Séminaire – MGH-Veranstaltungen 2026/27

Diesen Herbst und Winter laden die MGH zu sechs Online-Veranstaltungen ein: Drei Vorträge in der Reihe „zurück zu den Quellen“ liefern Hintergrundinformationen zu frisch erschienenen oder in Arbeit befindlichen MGH-Editionen. Zwei „Vorträge zur Geschichte der Mittelalterforschung“ befassen sich mit Carl Erdmann und seinen Schwestern sowie dem Einfluss Leopold Rankes auf die mediävistische Forschung.
Mitte Oktober findet die feierliche Amtsübergabe der MGH-Präsidentschaft statt, an der Sie ebenfalls digital teilnehmen können.
Auch zu einem Abendvortrag im Rahmen einer Arbeitstagung zu Felix Hartlaub, die in den Räumen der MGH stattfindet, laden wir Sie herzlich ein (Informationen zur Anmeldung für alle Veranstaltungen am Ende des Beitrags).

Freitag, 16.10.2026, 18 Uhr: Willkommen und Abschied. Feierliche Übergabe der MGH-Präsidentschaft von Prof. Dr. Dr. h.c. Martina Hartmann an Prof. Dr. Tobias Daniels

Streaming (Zoom)

>>> 2026_Abschied-Willkommen_Programm_Zoom.pdf

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Donnerstag, 29.10.2026, 19 Uhr: Felix Hartlaub im literarischen Kontext

Öffentlicher Abendvortrag (im Rahmen einer Arbeitstagung in den Räumen der MGH) von Prof. Dr. Helmuth Kiesel (Heidelberg)

Der Historiker und angehende Schriftsteller Felix Hartlaub, der in den letzten Kriegstagen in Berlin auf bisher unbekannte Weise zu Tode kam, gilt aufgrund seiner schonungslosen und zum Teil satirischen Aufzeichnungen aus dem besetzten Paris und aus dem Sperrkreis II des Führer-Hauptquartiers, wo er als Hilfskraft beim Kriegstagebuch tätig war, als „eine Begabung allerersten Ranges“ und als „das vielleicht stärkste Prosa-Talent der jüngeren Generation“, so Hans Egon Holthusen 1951 in einem Merkur-Artikel, der bis heute den Blick auf Hartlaub und seine Aufzeichnungen bestimmt. Die von Holthusen inaugurierte Wertschätzung verlangt es allerdings, Hartlaub einmal im literarischen Kontext, insbesondere in dem seiner Generationsgenossen, zu betrachten und neu einzuschätzen. Der Vortrag widmet sich dieser Aufgabe und wird zu einem differenzierteren Bild führen.

Helmuth Kiesel ist emeritierter Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Heidelberg. Er veröffentlichte u. a. „Geschichte der literarischen Moderne. Sprache, Ästhetik, Dichtung im 20. Jahrhundert“ (2004), „Ernst Jünger. Die Biografie“ (2007), eine Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1918–1933 (2017) und eine Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1933–1945 (2025).

Donnerstag, 3.12.2026, 18 Uhr: Abschluss der Constitutiones-Edition Kaiser Ludwigs IV. (1314-1347)

Online-Vortrag (Zoom) von Prof. Dr. Michael Menzel (Berlin)

Band 7,3 vervollständigt die Constitutiones-Bände über Ludwig den Bayern (Const. 5-7, 1314-1347). Die Gesamtreihe (911-1378) steht schon sehr nahe vor ihrer Vollendung, es fehlen noch die letzten Bände für Karl IV. Eine Bilanz über die Urkundenedition Ludwigs lohnt sich, weil sie die verfassungsgeschichtliche Einschätzung des Kaisers erlaubt, die vorher aufgrund der Unvollständigkeit des Materials nicht sicher möglich schien. Ludwig war der letzte in der Königsreihe seit Rudolf von Habsburg, die als kurze Epoche (1273-1347) den Höhepunkt der spätmittelalterlichen Wahlmonarchie darstellte. Er setzte die fürstliche Wahl als ausschlaggebend für das König- und Kaisertum in den Mittelpunkt und schloss die päpstliche Einflussnahme bei der Legitimierung der Macht im Reich konsequent aus. Der liturgische Rahmen der Krönungen war allenfalls begleitend, nicht aber herrschaftsbegründend. Mit Karl IV. ging die kurze Epoche der eigentlichen Wahlkönige zuende.

Michael Menzel war 2003 bis 2022 Akademie-Professor für Mittelalterliche Geschichte und Landesgeschichte an der Humboldt-Universität und Leiter der Berliner Arbeitsstelle der Monumenta Germaniae Historica. Seit 2012 ist er gewähltes Mitglied der Zentraldirektion. In Würdigung seiner Verdienste als Leiter der Berliner Arbeitsstelle und seiner Editionen in der Reihe Constitutiones wurde Michael Menzel 2022 die Freiherr vom Stein-Medaille der MGH verliehen.

Donnerstag, 14.1.2027, 18 Uhr: Leopold von Ranke und das Mittelalter des 19. Jahrhunderts

Online-Vortrag (Zoom) von PD Dr. Simon Groth (Magdeburg)

Leopold von Ranke (1795–1886) war einer der bedeutendsten deutschen Historiker und gilt weltweit als Gründervater der modernen Geschichtswissenschaft. Obschon bekannt ist, dass Ranke mit den sogenannten „Jahrbüchern des Deutschen Reichs unter dem sächsischen Hause“ die Vorgängerreihe der wegweisenden Jahrbücher der Deutschen Geschichte herausgab, ist seine Rolle für die Mittelalterforschung bisher nicht untersucht worden.
In vier ineinandergreifenden Miniaturen wird im Vortrag deswegen der Frage nachgegangen, ob Ranke nicht nur für die Geschichtswissenschaft im Allgemeinen, sondern auch für die Mediävistik im Speziellen prägenden Einfluss hatte. Hierfür sind zunächst Rankes persönlicher Weg zum Mittelalter, seine inhaltlichen Ausführungen über diese Epoche in seiner Weltgeschichte sowie seine Rolle als Lehrer an der Berliner Universität in den 1830er Jahren in den Blick zu nehmen, bevor zuletzt eine entscheidende Weichenstellung für das Bild der Epoche im 19. Jahrhundert vorgestellt wird.

Simon Groth ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt „Repertorium der deutschen Königspfalzen – Band Sachsen-Anhalt“ an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den Monumenta Germaniae Historica München im Projekt „Digitale Edition der Briefe von Ernst Kantorowicz“. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte sind die frühmittelalterliche Verfassungsgeschichte, die Pfalzenforschung sowie die Wissenschaftsgeschichte der Mediävistik.

Donnerstag, 4.2.2027, 18 Uhr: Die ältesten Geschichtsquellen des Klosters Benediktbeuern

Online-Vortrag (Zoom) von Dr. Roman Deutinger und Prof. Dr. Christof Paulus (beide München)

Gegründet Mitte des 8. Jahrhunderts, war die Benediktinerabtei Benediktbeuern eines der ältesten und bedeutendsten Klöster Bayerns. Die schriftliche Überlieferung dazu setzt allerdings erst im 11. Jahrhundert ein. Damals entstand ein ganzes Ensemble von Texten zur Frühgeschichte des Klosters, die stark geprägt sind von den aktuellen Interessen des Benediktbeurer Konvents, der um – tatsächlich mehrmals bedrohte – Unabhängigkeit und Sicherung bzw. Wiedergewinnung seines Besitzes rang.
Die Glaubwürdigkeit dieser Überlieferung war schon mehrfach Gegenstand kontroverser Diskussionen, die leider durch eine mangelhafte Textgrundlage beeinträchtigt waren. Wilhelm Wattenbach hatte nämlich für seine MGH-Edition von 1851 einige unglückliche Entscheidungen getroffen, welche die Forschung teilweise in die Irre führten. Für einige Texte müssen daher immer noch Drucke des 18. Jahrhunderts herangezogen werden. Der Vortrag stellt die Texte vor und zeigt auf, welche Erkenntnisfortschritte sich durch die in Vorbereitung befindliche Neuedition gewinnen lassen.

Roman Deutinger studierte Geschichte, Lateinische Philologie und Musikwissenschaft an den Universitäten Regensburg, Tübingen und Uppsala. Seit 1999 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Repertorium „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“ an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Seine zweisprachige Edition von Rufinus von Sorrent, De bono pacis erschien 1997 in den MGH Studien und Texten, seine Dissertation über Rahewin von Freising 1999 in den MGH Schriften. Seine weiteren Publikationen betreffen hauptsächlich die Geschichte und Quellenkunde des Früh- und Hochmittelalters.

Christof Paulus studierte Geschichte, Germanistik und klassische Philologien in München und Rom und ist Lehrstuhlinhaber für Bayerische Geschichte und vergleichende Landesgeschichte mit besonderer Berücksichtigung des Mittelalters an der LMU München. Mit Gabriele Annas veröffentlichte er 2020 in den MGH Studien und Texten „Geschichte und Geschichten. Studien zu den ,Deutschen Berichten‘ über Vlad III. Drăculea“, mit Kristýna und Daniel Luger 2025 im DA die Edition Passio Pragensium Iudaeorum secundum Iohannem rusticum quadratum – ein neuer Überlieferungsträger aus St. Paul im Lavanttal.

Donnerstag, 11.3.2027, 18 Uhr: Die Edition der Diplome Kaiser Ottos IV. (1198–1218): Urkundenwesen und Notare

Online-Vortrag (Zoom) von Dr. Andrea Rzihacek (Wien)

Mit dem bevorstehenden Erscheinen der Edition der Diplome Kaiser Ottos IV. (1198–1218) wird die Reihe der Herrscherurkunden aus der Zeit des deutschen Thronstreits in der Diplomata-Reihe der MGH geschlossen vorliegen. Das Urkundenwesen des Welfen Ottos IV. ist wesentlich von diesem Konflikt geprägt. Zwischen zwei Phasen des Doppelkönigtums (1198–1208 zugleich mit König Philipp „von Schwaben“ und 1212–1218 zugleich mit Friedrich II.) liegt eine kurze Phase der Alleinherrschaft, deren Höhepunkt die Kaiserkrönung durch den Papst am 4. Oktober 1209 bildet. Anhand der Urkundenausstellung Ottos in den drei Phasen lassen sich deutlich der Radius seiner Herrschaft im Vergleich zu seinen Kontrahenten und die Machtverteilung im Reich ausmachen. Zudem ergibt sich aus der Beschäftigung von Notaren ein differenziertes Bild des Kanzleiwesens der römisch-deutschen Herrscher des Hochmittelalters.

Andrea Rzihacek studierte Geschichte und Anglistik an der Universität Wien und absolvierte anschließend den Lehrgang am Institut für Österreichische Geschichtsforschung. In langjähriger Zusammenarbeit bearbeitete sie an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gemeinsam mit Renate Spreitzer zunächst – unter der Leitung von Heinrich Appelt – die Urkunden Kaiser Heinrichs VI., danach selbstständig die Urkunden König Philipps (erschienen 2014) und derzeit die Urkunden Kaiser Ottos IV. für die Diplomata-Reihe der MGH.

Donnerstag, 8.4.2027, 18 Uhr: Carl Erdmann und seine Schwestern. Die Schriftstellerinnen Aurelie Vulpius und Veronika Czapski

Online-Vortrag (Zoom) von Dr. Heike B. Görtemaker (Berlin)

Die Auseinandersetzung mit dem Leben der Schriftstellerinnen Aurelie Vulpius (1893–1970) und Veronika Czapski (1894–1984 bietet neue und tatsächlich bisher unbekannte Einblicke in das Leben des Historikers Carl Erdmann. Debatten darüber, ob Erdmann tatsächlich ein Gegner des Nationalsozialismus war, sind durch jüngste Bemühungen, die Vergangenheit der MGH während der nationalsozialistischen Ära zu untersuchen – ein lange verschwiegenes Thema –, erneut entfacht worden. Die verfügbaren Quellen deuten darauf hin, dass der Baltendeutsche Erdmann zwar das Hitler-Regime ablehnte, seine Loyalität gegenüber der Nation jedoch nie in Frage stellte. Der als Einzelgänger ohne persönliche Bindungen geltende, unverheiratete Erdmann pflegte enge Beziehungen zu seiner Mutter und seinen Schwestern, wobei Aurelie Vulpius sich sowohl um seine privaten als auch in gewissem Maße um seine beruflichen Angelegenheiten kümmerte.

Heike B. Görtemaker, Dr. phil., studierte Geschichte, Volkswirtschaftslehre und Germanistik in Berlin und Bloomington, Indiana (USA). Sie arbeitet als Historikerin und Autorin in Berlin. In ihrem derzeitigen Projekt behandelt sie die Biografie Leni Riefenstahls. Veröffentlichungen u. a.: Ein deutsches Leben. Die Geschichte der Margret Boveri (2005); Eva Braun. Leben mit Hitler (2010); Hitlers Hofstaat. Der innere Kreis im Dritten Reich und danach (2019).

Um Ihre Anmeldung wird gebeten per E-Mail an annette.marquard-mois@mgh.de. Die Zoom-Zugangsdaten erhalten Sie einen Tag vor der Veranstaltung.

Source : Monumenta Germaniae Historica

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