Colloque – Maximilian I. und die Buchkultur – Bild und Text

Die Tagung „Maximilian I. und die Buchkultur – Bild und Text“ widmet sich Untersuchungen, die nach dem Umgang mit dem Buch, der Schrift, der Handschrift oder dem Druck sowie dem Aufeinandertreffen von neuen und alten Medien oder bildlichen und textlichen Darstellungen im Umfeld des Kaisers Maximilian I. fragen.

Die Handschriften und Druckwerke, die in diesem Kontext entstanden sind, lassen sich durch ihre reichen Bild-Text-Bezüge charakterisieren und zeigen, dass Bild und Text stets zusammen gedacht wurden. Darüber hinaus wurden neue Medien, Bild- und Textkombinationen und Techniken erkundet und auf die Probe gestellt, ohne Kontinuitäten und handschriftliche Traditionen aus dem Auge zu verlieren. In diesem Zusammenhang sind Fragen an das Material, technische Aspekte sowie Fragen nach medialen Imitationen und Bezügen für die Tagung zentral. Zudem muss der Monarch aufgrund diplomatischer oder verwandtschaftlicher Kontakte ständig Büchersammler, Humanisten, Produzenten von Büchern etc. aus ganz Europa – von Portugal über Burgund und Italien bis Ungarn – vor Augen gehabt haben. Objekte, in denen der Kaiser eine zentrale Rolle spielt, die im Umfeld des Herrschers entstanden sind oder von ihm in Auftrag gegeben wurden, erfordern daher einen Dialog über die Fachgrenzen hinaus, zumal sich die Überlieferung heute zum Teil sehr verstreut darstellt.

Die Vielfalt an maximilianischen Buchaufträgen ist groß: Vom Zeugbuch über das Ambraser Heldenbuch, zum Theuerdank und der Übersetzung der Hieroglyphica des Horapollon spannt sich ein weiter Bogen. Seine Aufträge umfassen sowohl traditionelle Handschriften oder prächtig illustrierte Inventare, aber auch Erzeugnisse des Buchdrucks. Bekannt geworden sind vor allem die sogenannten „Gedechtnus-Werke“, die nach Maximilians Tod 1519 überwiegend unvollendet zurückblieben. Doch nutzte er die Druckerpresse auch für Reichspublizistik, Flugblätter und Großdrucke wie die Ehrenpforte oder der Triumphzug. Trotz des heterogenen Inhalts seiner Auftragswerke lässt sich ein Element bei allen beobachten: die Kombination aus Bild und Text, die auch im „Weißkunig“ thematisiert wird: „Und damit ich anfang meines [Cron] puechsainerklerung zu machen, so hab ich zu der geschrift gestellt figuren, gemalt, damit das der leser [so] mit [äugen] mund und äugen mag versten den grund dises gemelds meines puechs, welchen grund ich gestellt hab, gleichermassen die croniken geschriben und figurirt werden, wie ich dann solhes aus andern meinen vordem cronikisten gesehen hab.“ (zitiert nach Schultz 1888, S. XVI)

Besonders die „Gedechtnus-Werke“ waren in imperialer Größe angedacht: Ihre Bilder sollten sich nicht wiederholen, wie es für Drucke in dieser Zeit eigentlich üblich war. Gleichzeitig erweiterte Maximilian den Umfang der Werke kontinuierlich, was den Abschluss der Werke unmöglich machte. Penibel wurde jede einzelne Entwicklungsstufe korrigiert und Vertrauten zu weiteren Korrekturen übergeben: Bis in die Korrektur einzelner Schrifttypen, wie es für Maximilians „Neues Gebetbuch“ belegt ist, ging die kaiserliche Kontrolle.

Die Tagung „Maximilian I. und die Buchkultur – Bild und Text“ soll zur intermedialen und interdisziplinären Betrachtung der Werke von und um Maximilian I. einladen. Für den „Katalog der deutschsprachigen, illustrierten Handschriften des Mittelalters“ wurde der Bild-Text-Bezug der „Maximilianea“ erarbeitet, die Ergebnisse werden 2019 erscheinen und auf der Tagung präsentiert, die in München an der Bayerischen Akademie, am Zentralinstitut für Kunstgeschichte und in Augsburg am Maximilianmuseum stattfinden wird.

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Programme :

Donnerstag, 11. Juli

Sitzungssaal 1, I. OG, Bayerische Akademie der Wissenschaften (Lageplan), Alfons-Goppel-Str. 11 (Residenz), München

14.00–14.15 Begrüßung: Jan-Dirk Müller – Maximilian I. und die europäische Buchkultur

Moderation: Beate Kellner

14.15–15.15 Dagmar Eichberger (Heidelberg/Wien): Illumination versus Druckgraphik? – Maximilian und die niederländische Buchmalerei
15.15–16.15 Edina Zsupán (Budapest): Der Einfluss der höfischen Renaissance-Buchkultur der Matthias-Zeit in Mitteleuropa um 1500
16.15–16.45 Pause

Bild und Text der „Maximilianea“
Moderation: Jan-Dirk Müller

16.45–17.45 Kristina Domanski (Basel): Blütenlese, Künstlerwettstreit und Buchdekor: Das „Ambraser Heldenbuch“ als Vorläufer der großen Buchprojekte Maximilians

17.45–18.45 Anja Eisenbeiß (Konstanz): Umb das gemäl solle die kayserliche maiestat gefragt werden. „Maximilianea“ im Katalog der deutschsprachigen
illustrierten Handschriften des Mittelalters

Freitag, 12. Juli
Sitzungssaal 1, I. OG, Bayerische Akademie der Wissenschaften (Lageplan), Alfons-Goppel-Str. 11 (Residenz), München

Bild und Text der „Maximilianea“
Moderation: Lieselotte E. Saurma-Jeltsch

9.00–10.00 Heidrun Lange-Krach (Augsburg): Jenseitsfürsorge – Drucke für das Seelenheil des Hauses Habsburg
10.00–11.00 Christine Boßmeyer (Frankfurt): Der Weißkunig. Maximilian I. als Bildautor und die Beziehungen zwischen Bild und Text
11.00–11.30 Pause

Bild und Text der „Maximilianea“
Moderation: Nicola Zotz

11.30–12.30 Elke Anna Werner (Berlin): Zwischen den Zeiten. Ästhetische Valenzen von Bild und Text im Triumphzug Kaiser Maximilians I.
12.30–13.30 Stephan Füssel (Mainz): Unser Herr König gings an mit Witz… Flugblatt und „Newe Zeytung“ als Mittel der Informationssteuerung
13.30–15.00 Pause

Vortragssaal 242, II. OG, Zentralinstitut für Kunstgeschichte (Lageplan), Katharina-von-Bora-Str. 10, München

Die Humanisten
Moderation: Claudia Märtl

15.00–16.00 Jörg Robert (Tübingen): In parvae tabulae modum – Bild und Text in den „Amores“ des Konrad Celtis

16.00–17.00 Elisabeth Klecker (Wien): In viridi spectabilis undique cultu (Sbrulius, Magnanimus 7,28). „Übersetzte Bilder“ in den lateinischen Fassungen
des Ruhmeswerks?

17.00–17.30 Pause

Die Humanisten
Moderation: Wolfgang Augustyn

17.30–18.30 Thomas Schauerte (Nürnberg): Herrscher im Reich der Bilder. Maximilian, Dürer und die Hieroglyphica des Horapoll
18.30 Abendvortrag

Moderation: Wolfgang Augustyn

Martin Schubert (Duisburg-Essen): Maximilians Netzwerke und Wissenssysteme

Samstag, 13. Juli
Felicitas-Saal, Maximilianmuseum (Lageplan), Fuggerplatz 1, Augsburg

Maximilians Vermächtnis
Moderation: Freimut Löser

10.00–11.00 Hans-Jörg Künast (Augsburg): K. M. Buchtrucker – Maximilian I. und seine
Drucker
11.00–12.00 Stephan Müller (Wien): Das Vermächtnis des letzten Ritters. Das Ende des „Theuerdank“ und sein Nachleben
12.00–12.30 Pause

12.30 Abschlussdiskussion und Kuratorführung durch die Ausstellung „Maximilian I. – Kaiser – Ritter – Bürger zu Augsburg“, Maximilianmuseum, Fuggerplatz 1, Augsburg
Ende: ca. 15.00

Informations pratiques :

München und Augsburg
11. – 13. Juli 2 019

Veranstalter:
Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters, Projekt an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München
Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur des Mittelalters in Zusammenarbeit mit dem Jakob-Fugger-Zentrum für Transnationale Studien, Universität Augsburg
Maximilianmuseum, Augsburg
Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München

Es handelt sich um eine öffentliche Veranstaltung, der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten: post(at)dlma.badw.de

Bei der Veranstaltung werden Foto- und Filmaufnahmen gemacht, die potentiell in verschiedenen Medien der Öffentlichkeitsarbeit verwendet werden.

Source : Bayerische Akademie der Wissenschaften

A propos RMBLF

Réseau des médiévistes belges de langue française
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